2. Sonntag nach Trinitatis

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Gemeinde,

endlich geht es wieder los. So haben wir wohl in den vergangenen Tagen manches Mal gedacht. Endlich laufen die Schulen und Kindergärten wie-der in einem Normalbetrieb. Endlich können wir wieder mehr Menschen treffen. Endlich können wir wieder in ein Café gehen und das Leben ge-nießen.

Endlich geht es wieder los. Das habe ich zuletzt auch gedacht auf manche Dinge in unserem Gemeindele-ben. In der vergangenen Woche die Kinderbibelwoche. Endlich wieder ausgelassen sein und sogar singen. Und dann in glückliche Kinderaugen schauen. Und auch heute, als ich in die Kirche kam und die Orgel hörte, dachte ich: Endlich geht es wieder los. Wir feiern wieder hier in unserer Kirche Gottesdienst. Gott sei Dank!

Ja, die Lockerungen dieser Tage geben neue Möglichkeiten und geben Grund zur Freude. Doch wahrschein-lich ist da auch noch anderes als Freude. Vielleicht ist da auch Sorge. Wird es eigentlich alles wieder so wie vorher? Im Blick auf unsere Gemeinde: Werden Gemeindeglieder, die sich zuletzt zurückgehalten haben, wieder kommen? Werden wir wieder anknüpfen können an das, was uns vor der Pandemie wichtig war? Oder wird da vielleicht auch manches in unserem Gemeindeleben verloren gegangen sein?

Diese Zeit nehme ich in genau dieser Spannung und Unsicherheit wahr. Das Leben geht wieder los, doch wir wissen noch nicht genau, wie das aussehen wird. Und was die Pandemie so alles an Spuren hinterlässt, ist noch nicht abzusehen. Um für uns als Gemeinde davon eine Ahnung zu bekommen, haben wir derzeit eine Gemeindeumfrage laufen. Und wir freuen uns über jede Beteiligung. Denn mit dieser Umfrage wollen wir als Kirchenvorstand in wenigen Wochen darüber nachdenken: Wie steht es um unser Gemeindeleben und wo kann es hingehen?

Eine Hilfestellung für die Frage nach unserer Gemeinde kann uns auch das heutige Predigtwort aus dem 1. Korintherbrief sein. Es ist gesprochen in einen absolut anderen Kontext. Paulus schreibt an die junge Ge-meinde in Korinth. Sie war gerade einmal ein paar Jahre alt und das Gemeindeleben brummte. Wie Paulus es beschreibt, sah das so aus: Die Gemeinde kam zu ihren Gottesdiensten zusammen und jeder brachte etwas mit. Der eine hatte ein Lied geschrieben, der andere eine Predigt, wieder ein anderer stellt sich hin und redete in Zungen. Man muss sich das ganz schön bunt vorstellen. Doch manchmal wurde es auch zu bunt. Denn in Korinth kam es zu einem großen Durcheinander. Ein jeder machte eben, was er wollte und wonach ihm war. Paulus versucht daher in seinem Brief der Gemeinde eine Ausrichtung zu geben, wonach sie ihr Gemeindeleben ordnen können. So schreibt Paulus im 1. Korintherbrief im 14. Kapitel:

Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch reden könnt! Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand ver-steht ihn: im Geist redet er Geheimnisse. Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. (…) Lass es alles geschehen zur Erbauung! (1. Korinther 14,1-4.26b)

Paulus nimmt hier die prophetische Rede und die Zungenrede in den Blick. Dazu müssen wir uns einmal bewusst machen, was damit gemeint war. Zungenrede ist uns wohl eher fremd. Doch die Christen in Korinth und auch bis heute in einigen charismatisch ausgerichteten Gemeinden erlebten und erleben dies als

Wirkung des Geistes Gottes. Da redet jemand in einer unverständlichen Sprache, die ihm eingegeben wird, und lobt darin Gott. Doch die Außenstehenden verstehen davon kein Wort und sind vielleicht sogar ver-wirrt. Daneben kannten die Korinther auch die prophetische Rede. Und damit ist nicht Hellseherei oder Zukunftsvoraussage gemeint. Prophetische Rede ist vielmehr die Rede, die unser Menschenleben in Zu- sammenhang mit Gott und seinem Wort stellt. Es ist Rede, die erbaut, ermahnt und tröstet. Predigt ist also auch solch eine prophetische Rede. Dies beides – Zungenrede und prophetische Rede - stellt Paulus neben- einander und sagt: Besser ist das, was Menschen auch verstehen können. Denn nur dadurch kann die Ge- meinde erbaut werden. Und das ist das Kriterium, das Paulus den Korinther für ihr Gemeindeleben gibt: Es soll alles zur Erbauung geschehen!

Unsere Gemeindesituation ist nicht so wie die in Korinth. Und doch kann uns dieser Leitsatz des Paulus ausrichten, wenn wir auf unser Gemeindeleben nach der Pandemie schauen. Im vergangenen Jahr haben wir an verschiedenen Stellen versucht, Ersatz zu schaffen für das, was in der Gemeinde gerade nicht mehr möglich war. Zum Beispiel haben wir unsere Gottesdienste online oder telefonisch verteilt und weiterge-geben. Für viele war das eine gute Möglichkeit, trotz Distanz Gottes Wort zu hören und sich daraus trösten und stärken zu lassen.

Doch eine Gefahr haben all diese Distanz-Angebote auch. Nämlich die, dass Gottesdienst und Gemeinde nur noch passiv konsumiert wird. Ich nehme mir das, was ich brauche. Doch christliche Gemeinde ist kein Konsumladen, sondern Gemeinschaft. Daran erinnert Paulus uns. Es geht nicht allein um die Frage „Was brauche ich?“, sondern ebenso um die Frage „Was brauchst Du?“ und „Was kann ich dir geben?“

Gemeindeleben soll dazu dienen, einander zu erbauen. Und das nicht durch den einen da vorne, sondern untereinander. Wenn wir zusammenkommen zum Gottesdienst, dann geht es nicht allein darum, dass ich höre, für mich behalte und dann wieder gehe. Sondern ein jeder von uns ist auch dazu im Gottesdienst, um Gemeinschaft zu schaffen und dadurch den Nächsten zu erbauen. Das geht manchmal in kleinen Dingen. Zum Beispiel durch einen freundlichen Blick zur Begrüßung. Oder die Nachfrage nach dem Gottesdienst. Oder den Gesang, den ich auch meinem Nächsten bald hoffentlich wieder zu singen kann. Oder ganz ein-fach dadurch, dass Du da bist. Dass Du mit deiner ganz eigenen Lebensgeschichte im Gottesdienst sitzt und damit ein Zeugnis des Glaubens bist. So trägt ein jeder von uns dazu bei, dass Gottesdienst und Gemeinde zur Erbauung wird.

Selbstverständlich ist das nicht. Viele Beispiele gibt es ja in der Welt und auch in der Kirche, dass Gemein-schaft ausgenutzt wird, um die eigene Person herauszustellen und ins Licht zu stellen. Ja, eine Gemeinschaft der Erbauung und des Füreinander ist alles andere als selbstverständlich. Aber als christliche Gemeinde haben wir den besten Grund dazu. Die Gemeinschaft des Füreinander beginnt ja bei einem Gott des Fürei-nander. Wenn Paulus von der Erbauung der Gemeinde spricht, dann ist ihm immer das feste Fundament im Blick, auf dem die Gemeinde steht und von dem her sie lebt. Jesus Christus ist es. Gott, der für uns gelebt und für uns gestorben ist. Der im Heiligen Abendmahl uns das hören und schmecken lässt: Für Dich gege-ben!

Liebe Gemeinde, Aus diesem „Für Dich“ Gottes können wir leben. Und so ruft Paulus auch uns auf „Strebt nach der Liebe!“ In der Gemeinde geht es um die Liebe, die sich für uns gegeben hat. Und die unseren Blick weit macht für den und die neben mir. So schenke der dreieinige Gott auch uns Erbauung, durch Gottes Liebe und hin zu Gottes Liebe, in Jesus Christus unserem Herrn.

Amen.

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