Estomihi

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Estomihi

Schwestern und Brüder in Christus,

1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!

2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

3»Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?

6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.

9 Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

(Jesaja 58,1-9a)

Liebe Gemeinde,

alle, die sich diese Predigt anhören, sei es hier in der Kirche oder am Bildschirm oder als Audio-Predigt oder am Telefon; von allen nehme ich an, dass sie Gott nahe sein wollen; dass ihr, die ihr jetzt zuhört, nach Gottes Weg und seinem Willen in eurem Leben fragt; dass ihr Gott ehrt und euch um ihn bemüht.

Zu solchen Gott-suchenden und Gott-liebenden Menschen hat der Prophet Jesaja gesprochen. Gesprochen ist untertrieben. Er hat den Auftrag von Gott bekommen zu ihnen aus voller Kehle zu schreien; wie ein Alarmhorn; er soll Aufmerksamkeit auf Gottes Botschaft ziehen; laut sein wie die Sirenen in unserem Dorf, die niemand überhören kann, wenn sie losgehen.

Gott will den Menschen aus seinem Volk eine deutliche Antwort geben. Denn sie stellen Fragen: „Warum fasten wir und du, Gott, siehst es nicht an? Warum nehmen wir so viele Entbehrungen auf und du willst´s nicht wissen?“ (V3)

II Es geht also ums Fasten. Am Beginn der Passionszeit stellen sich viele die Frage, auf was sie in den Wochen vor Ostern verzichten wollen. Doch die religiöse Begründung für das Fasten hat an Bedeutung abgenommen. Heute wird für die eigene Figur gefastet, nicht für Gott.

Im damaligen Israel, zur Zeit Jesajas war das Fasten ein ganz wichtiger Bestandteil des Glaubens. Es gab festgelegte Tage und Zeiten, zu denen alle im Volk dazu angehalten waren. Es gab Vorschriften und rituelle Ordnungen; man konnte mit der ganzen Gemeinde fasten oder alleine. Jesaja nennt einige Beispiele für Fastenhandlungen: Verzicht auf Nahrung und Trinken, lautes Weinen und Klagen, einen Sack als Kleidung tragen, in Asche liegen, den Kopf hängen lassen, sogar die eigene Haut schlagen oder ritzen.

III Vieles davon ist uns heute fremd. Fremd ist uns aber nicht die Haltung, die hinter solchem Fasten steht: Fasten bringt zum Ausdruck, dass ein Mensch sich Gott zuwendet, zu ihm umkehrt, Buße tut für seine Sünden, auch dass er sich erinnert an Notzeiten und Gott danket für Hilfe und Rettung. Das Fasten war in Israel der

ehrliche Versuch Gott zu ehren, , ihn zu bewegen und zu gefallen – nicht in gespielter Unterwürfigkeit, sondern ist echter Demut.

Da sind wir wieder am Beginn der Predigt. Ich spreche doch auch zu Leuten, die sich von Gott etwas erhoffen, die ihn suchen und lieben, und darum diese Predigt hören.

Jesaja spricht aber auch zu Menschen, die bei allem Fasten am Verzweifeln sind, weil Gott sich nicht finden lässt und ihnen nicht antwortet. Ihre konkrete Not erfahren wir nicht; jedenfalls tun sie alles Fasten-Mögliche um Gott zur Hilfe zu bewegen. Aber Gott tut´s nicht.

„Warum nehmen wir so viele Entbehrungen auf uns und du willst´s nicht wissen?“

Liebe Gemeinde, warum hilft Gott nicht wenigstens den Menschen, die sich an ihn halten, die von Herzen beten, die Gottesdienst feiern, die manches dafür auf sich nehmen?

IV Jetzt kommt die Sirene. Jetzt donnert die Stimme des Propheten Jesajas. Jetzt spricht Gott Klartext:

„Euer Fasten widert mich an, eure Liebesbeteuerungen stoßen bei mir auf taube Ohren, weil ihr beim Fasten trotzdem euren bösen Geschäften nachgeht! Weil ihr andere Menschen bedrückt. Weil ihr andere kleinmacht, während ihr euch vor mir zu Boden werft. Weil ihr streitet. Weil ihr anderen schwere Lasten auflegt. Weil ihr die Hungrigen nicht ausreichend speist und die Obdachlosen verkümmern lasst. Weil ihr nur euch und mich kennt und die anderen, euer eigen Fleisch und Blut, vergesst. Darum will ich von euren frommen Handlungen nichts wissen. Darum will ich euch nicht hören.“

Wenn die Sirenen im Dorf ausgehen, ist es für einen Moment ganz still. Wenn Gott hart spricht, folgt eine heilige Stille.

Eine Stille, in der ich gefragt bin:

- Wo sieht Gott bei mir Glauben, der nicht nach den anderen fragt?

- Wie versuche ich Gott recht zu sein, aber an meinem Mitmenschen vorbei?

- Wo will ich heilig leben, aber nicht gerecht handeln?

So steht jeder von uns vor Gott: In Frage gestellt – fragwürdig – von ihm geliebt – beschämt – gesehen.

V Zurzeit müssen wir auf so viel verzichten: Auf Kontakte, auf Besuche, auf Freunde, auf Familie, auf Bildung, auf Einkommen, auf Würde, auf Feiern, auf das ‚normale Leben‘. „Was ist das für ein Fasten in diesem Jahr?“ „Wann siehst du das endlich, Gott?“ „Wann machst du dem ein Ende?“

Ich weiß es nicht. Aber Gott sieht gewiss, wie wir uns in diesem Fasten verhalten. Die Schwachen, die Armen und die Kleinen leiden in dieser Krise am meisten – wir nehmen´s hin.

Wer es sich leisten kann, kommt besser durch diese Zeit. Wer schon vorher schlecht dran war, der geht jetzt erst recht vor die Hunde!

Wenige reiche Länder dieser Erde sichern sich riesige Mengen Impfstoff. Sie kaufen den Markt faktisch leer, trotz aller Beteuerungen von Verantwortung und Solidarität. Über die Verantwortlichen in der EU wir hergefallen, weil sie angeblich nicht genügend Dosen bestellt haben. Und dabei übersehen wir, dass in vielen Ländern erbärmlich wenig Impfstoff im Kühlschrank steht. Aber wir ordern mal eben 300 Millionen Dosen nach. Wir sagen: „Hätten wir doch viel mehr bestellt, als wir für uns brauchen, dann hätten wir das, was am Ende übrig bleibt kostenlos an arme Länder abgeben können.“ Schamloser geht es wohl nicht.

„Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?“ fragt Jesaja.

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“

VI Liebe Gemeinde,

die Passionszeit beginnt. Wir denken an das große Fasten unseres Gottes. Jesus fastet; er verzichtet auf alles, was ihm gebührt: auf Ehre und Ansehen, auf Privilegien und Reichtum - am Ende auf sein Leben. Jesus tut sich mit diesem Fasten nicht selber etwas Gutes, sondern er vergisst sich selber für uns.

So sieht Gott-gefälliges Fasten aus. Das war Jesu Berufung.

Unsere Berufung ist nicht die Rettung der Welt; das wäre anmaßend.

Unsere Berufung ist die: Brich dem Hungrigen dein Brot…Lindere Not…Führe ins Haus…Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.

9 Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Amen.

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