Gemeindejubiläum am 04.07.2021

Auf der Seite "Andachten" finden Sie den Gottesdienst von Pfarrer Anwand und Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Dialog-Predigt zum Gemeindejubiläum am 04. Juli 2021

1. Drängende Menge und Aufbruchszeiten

Liebe Jubiläums-Festgemeinde,

was waren das nur für besondere Zeiten. Damals, als unsere Gemeinden ihren Anfang genommen haben. Zeiten der Begeisterung und des Aufbruchs. Ganz schön beeindruckend! Sicherlich, es waren zuerst einmal auch deutlich andere Zeiten. Und auf manches schauen wir vielleicht auch mit Verwunderung oder Befremden zurück. Für mich ist das z.B. der harte Ton, mit dem sich mitunter damals Mitchristen den Glauben absprachen. Ja, es waren andere Zeiten und gewiss nicht alles war besser. Aber doch es beeindruckt mich, wenn ich höre, mit welch großem Einsatz da viele, viele einzelne Menschen und Familien dabei waren, um hier in Steeden lutherische Gemeinde zu sein. Wie groß offensichtlich der Hunger war nach Gottes Wort und der Gemeinschaft mit ihm. Manch eine Stunde, manch ein Geldstück, manche Freiheit wurde dafür geopfert.

Von Aufbruchszeiten habe ich aber in den vergangenen Jahren auch noch mehr gehört. Nicht nur von damals vor 175 Jahren. Sondern auch aus jüngeren Jahren. Wie mit einem Nachen von Ennerich über die Lahn gestochen wurde und es “Hol!” hieß, um zum Gottesdienst zu kommen. Wie die Chöre das Sälchen nahezu zum Platzen brachten und ein neuer Gemeindesaal her musste. Wie Musical oder Kinderbibelwochen für Begeisterung sorgten und noch heute in Erinnerung sind und Frucht tragen. Auch da war und ist immer wieder großer Einsatz für unsere Zionsgemeinde. Solche Zeiten des Aufbruchs waren da vielleicht ein bisschen so, wie das, was wir aus dem heutigen Evangelium gehört haben. Da predigt Jesus vom Reich Gottes und die Menschen kommen in Massen herzu. Sie drängen sich am Ufer des Sees Genezareth, um ihn zu hören. So viele waren sie, dass bald schon nicht mehr genug Platz da war. Was für besondere Zeiten!

2. Die Arbeit der Fischer und unsere Gemeindearbeit

Da ist aber noch etwas anderes als Aufbruch und Wachstum. Ja, Jesus zieht eine große Menschenmenge an. Ich wäre auch gern dabei gewesen. Aber da sitzen auch die müden Fischer am Ufer. In den frühen Morgenstunden waren sie mit ihren Booten auf dem See aber kein einziger Fisch ist ihnen ins Netz gegangen. Jetzt sind sie geschafft und erledigen Wartungsarbeiten. Muss ja auch sein. Ob sie morgen mehr Erfolg haben werden, wissen sie nicht. Wenn ich diesen Fischern so zusehe, dann muss ich unweigerlich auch an uns und unsere Gemeinden denken. Ich will jetzt an diesem Festtag nicht die Stimmung verderben, aber mal ehrlich: unsere Netze sind nicht voll gefüllt, oder? Ich weiß, dass das nicht nur in Steeden so ist sondern auch in Gemünden, Limburg und Allendorf. Wir mühen uns ab, aber es bleiben weniger Menschen in unseren Gemeinde-Netzen hängen, als uns guttut. Und so mancher Mitarbeiterkreis und so manche Vorstandssitzung erinnern an die Pflege und Wartung von wenig gefüllten Netzen: Wir kümmern uns liebevoll und noch immer mit Einsatz um das, was Gott uns anvertraut hat. Die Botschaft Jesu und die Menschen sind uns wichtig. Unsere Gemeinde ist uns wichtig. Aber wir spüren auch die Müdigkeit in unseren Knochen, in den Herzen und Gedanken.

3. Der ungewöhnliche Aufruf Jesu zu neuen Wegen – er bleibt bis heute

Ja, Sebastian, du hast wohl Recht. Vielleicht sitzen wir heute eher bei den Fischern. Schauen manches Mal müde in die Netze und fragen uns, warum unser Einsatz nicht mehr Erfolg trägt. So, wie die Fischer damals.

Und dann kommt Jesus auch noch mit so einem merkwürdigen Aufruf daher. “Fahrt hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus.” Man muss sich das mal vorstellen, wozu Jesus die müden Fischer da aufruft. Sie sollen mitten am Tag dorthin fahren, wo es nach ihrer langen Fischererfahrung nicht viel Aussicht auf Erfolg gibt. Die Fische waren doch jetzt sicherlich weit weg, unten am Grund des Sees. Nicht erreichbar. 2

 

Doch vielleicht ist genau das manches Mal auch für uns dran. Wenn wir merken, dass die altbekannten Wege nicht mehr funktionieren. Dass wir uns dann auf neue Wege einlassen. Ganz konkret könnte das heißen, nicht an Gemeindeangeboten festzuhalten, weil sie sonst und früher doch immer funktioniert haben und guten Zulauf hatten. Sondern danach zu suchen, wie Gottes Wort heute Menschen erreichen kann. Gestern bei unserem Kirchenvorstandstag hier in Steeden sind wir auf solche Suche gegangen. Es könnte auch heißen, nicht an den gewohnten Strukturen festzuhalten, sondern Neues zu wagen, das heute dazu hilft das Evangelium zu verkündigen. Hier im Westerwald ist da in den vergangenen Jahren ja schon einiges geschehen. Doch sich auf ungewöhnliche Wege zu machen ist ja auch ganz schön herausfordernd.

4. Vertrauensvolle Antwort des Simon: „Auf dein Wort hin“

Ich finde die Antwort des Simon (Petrus) beeindruckend. Obwohl er müde ist und bestimmt auch enttäuscht, dass er nichts gefangen hat, antwortet er auf Jesu ungewöhnliche Aufforderung: “Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.” Zwei Dinge fallen mir bei dieser Antwort auf:

Simon nennt Jesus ‘Meister’. Ein Meister ist einer, der Ahnung hat. Einem Meister seines Faches kannst du vertrauen. Auch und gerade dann, wenn sein Rat deinen Erfahrungen oder Erwartungen widerspricht. Er wird schon wissen, was er da sagt. Jesus ist der Meister seiner Kirche. Wenn er bis heute dazu aufruft in seinem Namen die Netze auszuwerfen, dann weiß er, was er sagt. Bis er einmal leibhaftig wiederkommt, sollen wir lehren, taufen, gemeinsam leben, dort fischen, wo es tief ist. Das hat er uns aufgetragen. Entscheidend ist nicht, ob ich seinem Vorhaben gute Erfolgsprognosen einräume; entscheidend ist, dass der Meister es aufträgt.Meine 2jährige Tochter springt gerne von Mauern, die doppelt so hoch sind wie sie selber. Ohne zu zögern stürzt sie sich lachend in die Tiefe. Sie tut es, weil wir Eltern sie dazu ermuntern. Und, weil wir sie auffangen. Wir sind stark. Wir sind ihre Meister. Jesus, Meister! Du bist stark. Du hast die Mauern des Todes mit deinem Tod eingerissen. Du lebst und herrschst über diese Welt. Auf dein Wort hin werden wir tun, was du sagst. Nicht aus Leichtsinn oder Selbstüberschätzung, sondern aus Vertrauen und Hingabe.

Ein zweites fällt mir in der Antwort des Simon auf: Er sagt: “Wir haben gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.” Simon Petrus gehört zu den Fischern; sie arbeiten zusammen. Aber Jesus antwortet er persönlich: Ich will auswerfen. Das bedeutet doch: Er trifft die Entscheidung nicht für die anderen mit, sondern bleibt bei Jesus und sich. Die anderen Fischer können selber entscheiden. Er geht mit gutem Beispiel voran, so dass ihm die anderen folgen. Aber sie tun es freiwillig und nicht aus Zwang. “Ich will die Netze noch einmal auswerfen!” Diesen Satz finde ich für unsere Gemeinden in Zukunft ganz wichtig: Jeder darf selber entscheiden. Dienst du in der Gemeinde, dann aus zwei Gründen: Erstens, weil der vertrauenswürdige Meister Jesus dich gerufen hat. Und zweitens, weil du es willst. Jeder darf selber entscheiden. Das Reich Gottes ist nicht Zwang, nicht Nötigung, nicht Druck. Es ist eine Einladung, es ist Freiheit und hat eine große Verheißung. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen, die wir mit unseren Angeboten in den Gemeinden anziehen wollen, dass die uns abspüren, ob wir die Netze aus Liebe zu ihnen mit Begeisterung auswerfen, oder aus Tradition und falsch verstandenen Pflichtgefühl.

“Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.” Diesen Satz werde ich mir merken.

5. Volle Boote!?

Ja, und auf sein Wort ist Verlass. Es heißt doch: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte bleiben bestehen. (Mt 24,35) Das bedeutet nicht weniger als das: Durch allen Wandel und alle Zeiten hindurch wird sein gutes Wort bleiben und Frucht bringen. Da werden immer Menschen sein, die Gottes Wort hören, bewahren und weitertragen. Und so wird immer Kirche sein.Das bedeutet nicht, dass alles so bleibt, wie wir es kannten und schätzten. Wie Kirche ist, kann sich ändern und hat es immer getan. Aber Gottes Wort, das Kirche macht, das bleibt bis in Ewigkeit.

Darauf lasst uns vertrauen und an unserem Ort und in unserer Zeit getrost Gemeinde Jesu sein und bauen.

Amen.

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