Gemeinsamer Gottesdienst am Ostersonntag, 12. April 2020

Am Ende der Seite finden Sie eine PDF zum Ausdrucken und eine Hörfassung. Den Videogottesdienst zum Osterfest finden Sie wie gewohnt auf der Seite "Andachten".

Psalmgebet (Psalm 118 - ELKG 034) 

Der Herr ist auferstanden, Halleluja. 

Er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja. 

Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: 

Die Rechte des HERRN behält den Sieg! 

Die Rechte des HERRN ist erhöht; 

die Rechte des HERRN behält den Sieg! 

Ich werde nicht sterben, sondern leben 

und des HERRN Werke verkündigen. 

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, 

ist zum Eckstein geworden. 

Das ist vom HERRN geschehen 

und ist ein Wunder vor unsern Augen. 

Dies ist der Tag, den der HERR macht; 

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. 

Ehre sei dem Vater und dem Sohne 

und dem Heiligen Geiste, 

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar 

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen 

Osterevangelium: Markus 16, 1-8 

1 Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich. 2 

Predigt zum Osterfest 

I Über das Osterevangelium Mk 16, 1-8 

(Pfarrer Sebastian Anwand, Greifenstein-Allendorf) 

gehalten in der Kapelle in Hünstetten-Bechtheim 

Schwestern und Brüder in unserem Herrn Christus, 

ich darf euch die wunderbare Osterbotschaft der Auferstehung Jesu von den Toten aus der Kapelle unserer Gemeinde in Bechtheim predigen. 

Das Evangelium zum Ostertag haben wir aus der Limburger Kapelle gehört: Drei Frauen, die beiden Marias und Salome, sind am Morgen zum Grab gekommen, um dem Verstorbenen einen letzten Dienst zu erweisen. Sie wollten sein Leichnam salben. Als das erste Hindernis überwunden war (den Stein hatte irgendjemand schon vom Eingang entfernt) und sie in der Grabhöhle standen, da hörten sie die erste Osterpredigt, die jemals gehalten wurde. Ein junger Mann im weißen Gewand sprach: „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.“ (MK 16,6) 

Und dann sagt er ihnen, was als nächstes für sie dran ist: Sie sollen Petrus und den anderen Jüngern gehen die frphe Botschaft überbringen, die sich vorsichtshalber in Quarantäne begeben hatten und lieber keinen Kontakt zur Außenwelt pflegten. 

Bis hierher ist alles okay. Diese Osterpredigt wäre leicht. Ich könnte euch jetzt am Bildschirm zurufen: „Hey, ihr da in häuslicher Quarantäne und Isolation: Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“ Ich könnte es einfach so machen wie die drei Frauen. Und dann ist gut. 

Markus erzählt aber anders weiter. Die Frauen gehen nämlich gar nicht zu den isolierten Jüngern, sondern fliehen zitternd vom Grab. Der letzte Satz des Osterevangeliums lautet: „Und sie sagten niemanden etwas; denn sie fürchteten sich.“ (Mk 16,8) 

Der Osterbericht endet also damit, dass Ostern nicht weitergesagt wird. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass mit diesem Satz das Markusevangelium ursprünglich geendet hat. In der ältesten Handschrift jedenfalls ist genau hier Schluss. Am Ende steht also die Furcht. 

Aber: Furcht vor was eigentlich? 

Vor dem Mann im weißen Gewand? 

Vor der Tatsache, dass ein Toter spurlos verschwunden ist? 

Furcht, weil nicht einmal mehr der tote Jesus unter ihnen war, und sie nun wieder ganz allein in ihrem Leben sind? 

Furcht davor, dass die Jünger den Frauen das alles nicht abnehmen? 

So, liebe Gemeinde, 

stellt euch vor, anstatt dass ich euch von Ostern predige, wäre hier und jetzt ganz einfach Schluss – aus Furcht.

II Über das Evangelium der Osternacht: Mt 28, 1-10 

(Pfarrer Daniel Schröder, Runkel-Steeden) 

gehalten in der Kapelle in Runkel-Aumenau 

Jetzt muss ich mich hier aus Aumenau einmal einschalten. Denn das wäre nicht schön. Aus Furcht den Mund halten und die Osterbotschaft verschweigen. Nein, das geht nicht. 

Daher möchte ich noch einen anderen Osterbericht ins Spiel bringen. In normalen Zeiten hätten wir gestern am späten Abend hier in Aumenau die Osternacht gefeiert. Und zur Osternacht gehört der Auferstehungsbericht des Evangelisten Matthäus. Es ist sozusagen der Zwillingstext zu dem heutigen Evangelium. Um genauer zu sein, ist es vermutlich sein jüngerer Bruder. Der Evangelist Matthäus er kannte nämlich schon das, was Markus geschrieben hatte. Doch er wusste noch mehr über die Frauen am Grab zu berichten, als das was wir eben gehört haben. 

Da lesen wir: 

„Und sie (die Frauen) gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.“ (Matthäus 28,9-10a) 

Liebe Gemeinde, habt Ihr es bemerkt, was Matthäus mehr berichtet? Am Ende steht hier nicht allein das Schweigen und die Furcht, vor dem was war oder dem, was kommen würde. Am Ende steht hier auch große Freude. Die Frauen sind erfüllt mit Osterfreude. Sie waren voll Trauer gekommen, um Jesus den letzten Dienst zu erweisen. Und damit wollten sie wohl auch Abschied nehmen von ihm - und von ihren Hoffnungen, die sie auf ihn gesetzt hatten. Ich stelle es mir so vor, dass sie tieftraurig zum Grab kommen. 

Doch dort hören sie das frohe Osterwort: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Und sie hören es nicht nur mit den Ohren, sondern es dringt in ihr Innerstes. Auf einmal bricht ihr trauriges Herz auf und es keimt neue Hoffnung und Freude. Das müssen sie den Jüngern erzählen. Und so brechen sie auf vom Grab „mit Furcht und großer Freude“. 

Ganz schön spannend, was Matthäus uns hier zu berichten weiß: Furcht und Freude so dicht beisammen. Aber, wie kann ich mir das vorstellen, diese Gefühlsmischung aus Furcht und Freude? Schließt sich das nicht gegenseitig aus? Passt Furcht überhaupt zum Ostermorgen? 

III Osterfurcht im Licht des Markustextes 

(Pfarrer Anwand) 

Ja, ich denke sie gehört sehr wohl dazu. Der Ostermorgen vertreibt nicht einfach mal so alle Furcht und alle Sorgen aus unserem Leben. Es ist sehr ehrlich vom Evangelien-Schreiber Markus, dass er das in seinem Bericht nicht verschweigt. Und wir tun gut daran das auch nicht vom Tisch zu wischen. 

Furcht zu Ostern - das ist nicht erst in diesem Jahr so, in dem wir während der Feiertage wie die Jünger hinter verschlossenen Türen sitzen. 

- Ich denke an Glieder unserer Gemeinden, die eine schwere Last mit sich tragen. Wenn dann von großer „Osterfreude“ gepredigt wird, die Trompeten schmettern und der Orgel alle Register gezogen werden, dann ist der Schmerz manchmal schwerer zu ertragen als in der Passionszeit. 

- Es gibt aber eine Sache, von der ich denke, dass sie hauptverantwortlich dafür ist, dass Osterfreude verhindert wird: es ist die ungewollte Teilnahmslosigkeit! Die kennt wohl jeder – der eine mehr, der andere weniger: Das Gefühl, dass die Auferstehung Jesu so etwas selbstverständliches ist, Etwas, das zum Glauben unbedingt dazugehört, mit dem alles steht oder fällt. Aber sie bewegt mich nicht. Es gibt die Auferstehung, aber sie dringt nicht in mein Inneres vor. 

Und wenn es dann nicht einmal einen fröhlichen Ostergottesdienst in meiner Gemeinde gibt, dann hat die Osterfreude gleich gar keine Chance. 

Markus berichtet uns von den Frauen die sich fürchten und den Jüngern, sie sich isolieren. Die Erinnerung daran ist wichtig und ist es wert bewahrt zu werden, denn so ist es bis heute. 

Wie gut aber, dass diese Erinnerung nicht die einzige ist. 

Ich mag den Gedanken aus dem Matthäus-Evangelium, dass sich zu Ostern etwas in unsere Furcht hineinmischt. 

Ich glaube, wir müssen noch einmal zurück nach Aumenau. 

IV Osterfreude im Licht des Matthäustextes 

(Pfarrer Schröder) 

Ja, es stimmt wohl. Bleibende Furcht, Sorge und Gefühlskälte, das sind eben auch Erfahrungen, die für uns bis heute zu Ostern gehören. Und offensichtlich auch damals am offenen Grab schon da waren. Aber die Frauen gingen eben nicht allein mit Furcht vom Grab weg. 

Denn in ihnen keimte die Osterfreude auf. Sie hatten gehört: Jesus ist auferstanden. Der Tod, dieses größte Schreckgespenst damals wie heute, es ist tot. Jesus ist stärker als all die Dinge, die im Leben Furcht und Sorge machen. Das hörten die Frauen und wurden darüber osterfroh. 

Und das gehört eben doch auch seit damals untrennbar zu Ostern. Dass diese frohe Botschaft uns erreicht und sich Osterfreude in unser Leben mit hineinmischt. Vielleicht durch einen einzigen Satz, durch ein Bild, durch eine Liedstrophe. Vielleicht erst so ganz klein und unscheinbar - fast zu übersehen, wo man nur nach den großen Effekten sucht. Doch vielleicht sind da gerade die Frauen mit ihrem Gefühls-Gemisch ein gutes Beispiel für unsere Ostererfahrung. Es geht nicht darum, dass wir mit diesem Tage plötzlich aller Sorgen und aller Furcht frei sind. Aber an diesem Tag mischt sich etwas Neues hinein, mischt sich die Osterfreude mit hinein. Und sie mischt unser Leben heilsam auf. Denn sie weckt die Hoffnung: Auch in meinem Leben – auch in deinem Leben - wird Jesus der Sieger sein - kein anderer. Punkt. 

Und wie das ist, wenn wir dem Auferstanden einmal begegnen, das können wir dem Bericht des Matthäus ablesen: 

Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: „Seid gegrüßt!“ Und sie traten zu ihm und umfaßten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: „Fürchtet euch nicht!“ 

Amen. 

Fürbitten 

Gott unseres Lebens, du Allmächtiger und Barmherziger, 

im Vertrauen darauf, dass Du unser Gebet hörst und für uns sorgst, bringen wir unsere Bitten vor Dich. 

1) Gebet aus Allendorf: Osterfurcht und Osterfreude 

Wir feiern das Osterfest und hören von deinem herrlichen Sieg über den Tod. Du bringst Hoffnung hinein in unsere Welt. Doch in unserem Herzen bleiben oft auch noch Furcht, Zweifel und Trägheit. Wir bitten Dich, mische unser Leben auf durch deine Osterfreude. Schenke uns das Vertrauen, dass Du der Sieger bist auch über unseren Tod und all das, was uns das Leben schwer macht. 

2) Gebet aus Aumenau: Corona 

Wir bitten Dich für alle, die in diesen Tagen mit Sorgen auf die Corona-Pandemie schauen. Stärke die Hoffnung, dass du bei uns bist alle Tage bis an der Welt Ende. Stehe denen bei, die sich in diesen Tagen um ihre Mitmenschen sorgen und kümmern. Gib Weisheit, Ausdauer und Gesundheit den Ärzten und Ärztinnen, den Pflegenden, den Forschenden und allen, die haupt- oder ehrenamtlich helfen. Gib unseren Politikern und Politikerinnen in diesen schwierigen Zeiten gute Entscheidungen. Bewahre Frieden und Zusammenhalt in unserem Land. 

3) Gebet aus Bechtheim: Familien 

Wir bitten Dich für alle Familien, deren Alltag sich in diesen Wochen stark verändert hat und die heute Ostern in kleiner Runde feiern müssen. Gib den Geist der Liebe und Geduld für ihr Miteinander. Bewahre die Familien vor unnötigen Konflikten und vor Gewalt. Schenke den Kindern gute Ideen für ihre freie Zeit und den Eltern Hilfe für die neuen Aufgaben und Herausforderungen. Sei nahe und schenke Zuversicht allen, die sich um ihre berufliche Zukunft sorgen. 

4) Gebet aus Gemünden: Alte und Einsame 

Wir bitten Dich für alle Menschen, die in diesen Tagen einsam sind. Für die Alleinstehenden, denen der Austausch mit Freunden fehlt. Für die Älteren, die aus Vorsicht in ihren Wohnungen bleiben müssen. Für die Menschen in den Pflegeheimen und ihre Angehörigen, die derzeit auf Besuch verzichten müssen. Schenke die nötige Geduld, die Einsamkeit zu ertragen und neue Wege, trotz Distanz einander nahe zu sein. 

5) Gebet aus Limburg: Kirche und Gemeinde 

Wir bitten Dich für unsere Kirche und alle, die einen Dienst in ihr übernommen haben. Schenke Gespür und Kreativität dafür, wie dein Wort in diesen Wochen verkündigt werden kann, damit Menschen Trost und Hoffnung finden. Bitte erbarme dich über uns und schenke, dass wir bald wieder gemeinsam in unseren Kirchen und Kapellen Gottesdienste feiern können. Um gute Wege durch diese Zeit und in die Zukunft bitten wir Dich für all unsere Gemeinden. 

6) Gebet aus Steeden: Notleidende 

Wir bitten Dich für alle, die derzeit Not erleiden. Für die, die unter Krieg, Terror und Armut leiden. Für die Geflüchteten, die noch immer auf Hilfe warten. Für die Menschen, die von einer Krankheit betroffen sind und auf Heilung hoffen. Für die Menschen, die verzagt und traurig sind in ihrer Seele. Für die, die uns mit ihrer Not ganz persönlich am Herzen liegen. Mische unser Leben auf durch deine Botschaft der Auferstehung. Lass dort, wo uns Not und Traurigkeit hält, deine Osterfreude aufgehen und Frucht bringen. 

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Im Vertrauen auf das neue Leben, das du schenkst, legen wir unser Gebet an dein Herz, du dreieiniger Gott, unsere Hoffnung in Zeit und Ewigkeit. Amen. 

Vaterunser 

Vater unser im Himmel 

Geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme. 

Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute. 

Und vergib uns unsere Schuld, 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, 

sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich 

und die Kraft und die Herrlichkeit 

in Ewigkeit. Amen. 

Segen 

Der HERR segne dich und behüte dich. 

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. 

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. 

Amen

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