Gottesdienst Kantate, 10. Mai 2020

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen Gottesdienst aus Allendorf und einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Kantate

10. Mai 2020 

Liebe Gemeinde, 

Kantate! Singet! So ruft uns dieser Sonntag auf. In diesen Wochen klingt das irgendwie merkwürdig. Denn wenn wir nun wieder gemeinsam in unserer Kirche Gottesdienst feiern werden, dann ist uns ja gerade das nicht möglich. Von nicht wenigen habe ich in den letzten Tagen gehört, wie schade das ist: Zusammenzukommen und nicht singen zu dürfen. Ja, auch ich finde, ein Gottesdienst ohne Gemeindegesang da fehlt etwas ganz Wichtiges. Doch um genau zu sein: Wir dürfen schon singen. Kein Gesetz dieses Landes verbietet es uns. Als Kirche haben wir selbst gesagt: So schwer es uns fällt, wir wollen in diesen Wochen auf gemeinsames Singen noch verzichten, um einander zu schützen. 

Nicht singen können, das gilt für manche Menschen auf eine andere, noch ernstere Art und Weise. Es gibt Menschen, die können nicht mehr singen, weil das Leben ihnen die Sprache verschlagen hat. Ich denke zum Beispiel an Menschen, die schwere Dinge erlebt haben und nun unter Depressionen leiden. Die so niedergedrückt sind, dass ihnen kein Lied mehr über die Lippen kommen mag. Mir tut das richtig Leid. 

Wie wichtig ist es doch, dass gerade diese Menschen Beistand erfahren. Doch vor Kurzem sagte mir jemand: „In der Not erkennst Du deine wahren Freunde. Viele lassen plötzlich nichts mehr von sich hören.“ Diese Erfahrung haben wohl viele Menschen gemacht, die eine Zeit der Bedrückung und Not erlebt haben. Und ich frage mich: „Wie kann das sein?“ Liegt es daran, dass wir es oft nur schwer aushalten können, wenn jemand um uns herum belastet ist? Ist es die Ohnmacht, nicht helfen zu können? Oder die Angst davor? Oder ist es vielleicht auch der Wunsch, es lieber mit den Erfolgreichen, den Schönen und Angesehenen zu tun zu haben und nicht mit denen, die gerade „nicht mehr klarkommen“? 

Wir haben im heutigen Evangelium gehört, wie Jesus es anders macht, überraschend anders. Jesus geht nicht an den Belasteten seiner Zeit vorüber. Er geht zu den Ausgegrenzten und Kranken, zu denen, die als Sünder und Verfluchte galten. Und er spricht: 

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28) 

Dieser Satz Jesu wird als „Heilandsruf“ bezeichnet. Er beschreibt also ganz grundsätzlich, worum es Jesus geht. Jesus ruft die Mühseligen und Beladenen zu sich. Mit ihnen, die von so vielen gemieden werden, will er Gemeinschaft haben. Jesus stellt sich nicht zu den Klugen und Angesehenen seiner Zeit. Er stellt sich nicht ins Rampenlicht der Weltbühne. Er stellt sich in die Abgründe. Er stellt sich zu den Armen, den Geflüchteten, den Kranken, den niedergedrückten Menschen. So ist Jesus. Und so ist er Gottes Heiland für diese Welt. 

Doch nicht nur ihnen, den offensichtlich Mühseligen und Beladenen, gilt Jesu Heilandsruf. Er gilt auch Dir und mir. Er ruft mit diesen Worten auch uns zu sich. Doch er macht uns klar: „Ich rufe dich nicht als den, der im Beruf Erfolg hat, nicht als den, der im Ort angesehen ist, nicht als den, der eine heile Familie hat. Über all das kannst du dich freuen. Aber es ist nicht Voraussetzung für unsere Gemeinschaft. Ich rufe dich in deiner Verzagtheit und Niedergeschlagenheit. Ich rufe dich als den, der manchmal nicht weiß, wo ihm der Kopf steht und dem alles zu viel wird. Der vor Sorgen nicht schlafen kann und vor Angst nicht aus dem Bett kommt. 

Jesus ruft uns zu sich als die, die wir sind - mit unseren Licht- und Schattenseiten. Und er schaut die Seite an, die wir so gerne vor Anderen verbergen wollen, und sagt: „Willkommen, so wie Du bist! Ich will dich erquicken.“ Jesus sprach: 

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,29-30) 

Jesus ruft die Mühseligen und Beladenen unter sein Joch. Ein Joch wurde damals den Ochsen auf die Schultern gelegt, um Lasten zu ziehen. Meist handelte es sich dabei um ein Doppeljoch, mit dem zwei Tiere die eine Last trugen. So will Jesus helfen, wo wir uns mit den Lasten unseres Lebens abmühen. Er nimmt sie nicht weg, aber er lädt uns ein, mit ihm unter ein Joch zu gehen – gemeinsam die Last zu tragen. Jesu Lebensweg ist ein einziges Zeugnis dafür, wie er sich mit unter unser Menschenjoch gestellt hat. Und dieser Jesus lädt uns ein, zu ihm zu kommen und unsere Last auf seine Schulter zu legen. So will er unser Heiland sein, der mitträgt und einmal ganz gewiss wegtragen wird. 

Liebe Gemeinde, 

ach, wenn wir doch wieder singen könnten. Dieser Wunsch wird uns als Gemeinde wohl in den kommenden Wochen und Monaten noch einige Male über die Lippen kommen. Doch noch wichtiger als, dass der Mund wieder laut singen kann, ist es, dass unser Herz singen kann. Das möge Gott uns allezeit schenken: Ein Lied im Herzen – sei es gesungen oder gesummt – das uns bei allem, was es im Leben zu tragen und zu ertragen wissen lässt: Unser Gott trägt mit. Amen. 

Gebet: 

Allmächtiger Gott, barmherziger Vater, 

manchmal verschlägt uns das Leben die Sprache. Dein Sohn Jesus Christus ruft uns genau so zu sich, mit unserer Last und Müdigkeit. Dafür danken wir dir und bitten dich: Gib unserem Herzen, wo es niedergedrückt ist, ein neues Lied. Dass wir Trost und Freude finden in dir, der unsere Last mitträgt. 

Wir bitten dich für alle Menschen, die unter großen Lasten in ihrem Leben leiden. Für die Verzagten und Niedergeschlagenen. Für die Kranken in den Kliniken. Für die von Krieg und Vertreibung betroffenen Menschen. Bitte lass sie deine Hilfe erfahren und gib Menschen, die ihnen beistehen in ihrer Not. 

Wir bitten dich für unser Land und unsere Gesellschaft, dass die Lockerungen dieser Tage in Achtsamkeit gestaltet und gelebt werden. Bewahre uns vor größerer Not durch die Pandemie. Das bitten wir ganz besonders auch für die Menschen in den armen Regionen dieser Welt. 

Wir bitten dich für unsere Gemeinde und Kirche. Begleite uns in den neuen Formen unserer Gottesdienste. Lege Segen auf alles Planen und Bedenken und stärke uns immer wieder durch dein heilsames Wort. 

Gemeinsam beten wir: 

Vaterunser im Himmel, geheiligt, werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld - wie auch wir vergeben unser‘n Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

Es segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen. 

Pfarrer Daniel Schröder, Zionsgemeinde Steeden  

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