Gottesdienst zum 10. Sonntag nach Trinitatis

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis

16. August 2020

Kanzelgruß und Gebet 

Herr, dein Wort sei unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Weg. Amen. 

Hört Gottes Wort aus dem Römerbrief im 11. Kapitel: 

25 Ich will euch, Brüder und Schwestern, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hinzugekommen ist. 26 Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser; der wird abwenden alle Gottlosigkeit von Jakob. 27 Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« 28 Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach der Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. 29 Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. 30 Denn wie ihr einst Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, 31 so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch wi-derfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32 Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Unge-horsam, damit er sich aller erbarme. (Römer 11,25-32) 

Liebe Gemeinde, 

der Apostel Paulus gibt uns heute Anteil an einem Geheimnis. Und das ist ein ganz besonderes Geheimnis, nämlich ein Geheimnis Gottes. 

Das deutsche Wort „Geheimnis“ hat Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung unserer Sprache geschenkt. „Geheimnis“ kommt von Heim. Es ist etwas, das nur in den eigenen vier Wänden gesagt wird, etwas das ver-traulich ist. Und damit ist es etwas anderes als ein Rätsel, auf dessen Lösung man mit genügend Hirnschmalz schon kommen kann. Nein, ein Geheimnis ist etwas ganz und gar Vertrauliches. Es wird nicht enträtselt, sondern anvertraut. 

Paulus bekommt von Gott ein Geheimnis anvertraut. Er darf sozusagen in Gottes vier Wände schauen. Und wir dürfen daran teilhaben. Es geht um das Volk Israel und seinen Stand vor Gott. Und das hat mehr mit uns zu tun als wir vielleicht zunächst meinen. 

Der Apostel ist tieftraurig. In den ersten 8 Kapiteln seines Römerbriefes hatte er das Evangelium von Jesus Chris-tus ausgebreitet. Und da kam er ins Schwärmen und ins Strahlen. Ganz am Ende dieses Abschnitts stand die Gewissheit: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist. 

Und dann kommt der zweite Teil des Römerbriefs. Drei Kapitel lang kommt ein neues Thema auf den Tisch: Das Volk Israel. Und Paulus stürzt aus der Freude über Gottes Liebe ab in tiefe Traurigkeit. 

Lasst uns hören, wie er seinen „Israel-Abschnitt“ beginnt: 

1 Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im Heiligen Geist, 2 dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe. 3 Denn ich wünschte, selbst verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch. 4 Sie sind Israeliten, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, 5 denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Gott, der da ist über allem, sei gelobt in Ewigkeit. Amen. (Röm 9,1-5) 

Der Apostel ist tieftraurig, weil er sehen muss, wie sein Volk, seine Verwandten und Freunde nichts wissen wollen, von Jesus Christus. Wie seine Leute der Liebe Gottes den Rücken kehren. 

Ihr Lieben, 

plötzlich ist dieser Text über das Volk Israel ganz nah. Die Trauer darüber, dass Angehörige sich vom Glauben entfernen, kennen viele von uns auch gut. Der Schmerz darüber, dass der Ehemann oder die Kinder oder Enkel scheinbar nichts wissen wollen von dem, was mein Herz anrührt, von Gottes Liebe in Jesus Christus. Ich denke, Paulus ist uns hier nicht fern. 

Und da liegt dann die Frage nahe: Wie ist es um meine Lieben bestellt, wenn doch allein bei Gott ewiges Heil-Sein zu finden ist. Und: Was kann ich tun? Reden oder schweigen? Oder vielleicht einfach selbst aus dem Glau-ben und der Liebe leben - und dadurch Zeugnis geben. 

Der Apostel Paulus ringt drei lange Kapitel mit genau diesen Fragen: Wie kann ich das verstehen, dass Israel nicht an Christus glaubt? Und was soll ich tun? Der Apostel ringt. Eine einfache Antwort darauf gibt es für ihn nicht. Bis zum Ende. Verschiedene Gedanken entwickelt er: Für ihn steht fest, dass Gott treu ist und seine Ver-sprechen, die er einmal gegeben hat, nicht bricht. Paulus bekennt, dass Gott allein es ist, der Glaube schenken kann. Und der dann scheinbar auch Unglaube zulässt. Er erkennt, dass allein da Glaube entstehen kann, wo auch vom Glauben erzählt wird. Aber vom Glauben haben seine Leute doch gehört. 

Am Ende dieser drei Kapitel kommt Paulus nicht zu einem logischen Schluss. Er kann es nicht enträtseln, warum seine Verwandten nicht an Jesus Christus glauben, obwohl sie sein Evangelium gehört haben. Vielmehr hat er einen Haufen von Gedankensträngen, die er nicht so recht zusammenbekommt. Es bleibt für ihn logisch unge-klärt. 

Und daher schließt er seinen „Israel-Abschnitt“ mit einem Geheimnis, dass ihm anvertraut ist: Am Ende aller Wege steht Barmherzigkeit. In den letzten 3 Versen unseres Abschnitts steht 4 mal das Wort Barmherzigkeit. Und der ganze Abschnitt endet mit eben diesem Wort: „Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.“ (Röm 11,32) 

Der Apostel darf erfahren, dass der Unglaube Israels nicht den Sinn und Zweck hat, dass Israel verloren geht. Durch den Unglauben Israels erst ist das Evangelium in alle Welt gekommen und haben alle Völker – auch wir -davon gehört. Und am Ende wird auch für Israel Barmherzigkeit dastehen. Da lesen wir diesen Spitzensatz: „Ganz Israel wird gerettet werden.“ (Röm 11,26) 

Wie genau das aussehen wird, davon schreibt der Apostel nicht. Es bleibt offen, wie Gottes Liebe, die in Jesus Christus ist, Israel erreichen wird. Es ist nicht zu enträtseln. Aber Paulus wird anvertraut, dass am Ende die Barmherzigkeit steht. 

Was Paulus über seine Verwandten aus dem Volk Israel schreibt, das kann auch uns ein Gleichnis sein und uns Mut und Hoffnung machen, wo wir uns um unsere Lieben – oder auch unseren eigenen manchmal wackeligen Weg - sorgen. Bei unserem Gott brauchen wir niemanden abzuschreiben. Auch wenn wir manche Wege nicht verstehen, dürfen wir gewiss sein: Am Ende steht der barmherzige Gott, der in Jesus Christus seine Liebe aller Welt gezeigt hat. Und allein in seiner Barmherzigkeit gründet unser Heil. Das gilt für uns, und für Israel und für alle Welt. Und darum hört die Hoffnung niemals auf. 

Paulus beendet seinen „Israel-Abschnitt“ mit einem staunenden Lobpreis: „O, welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!“ (Römer 11,33) 

Amen. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. 

Pfarrer Daniel Schröder 

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