Gottesdienst zum 16. Sonntag nach Trinitatis

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum 16. Sonntag nach Trinitatis

Hört Gottes Wort aus dem 2. Timotheus-Brief im 1. Kapitel: 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefange-ner bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium (1.Timotheus 1,7-10) 

Der Herr segne sein Wort an uns. 

Liebe Gemeinde, 

eine Träne rollt über sein Gesicht und fällt auf das Blatt Papier in seiner Hand. Der Gemeindeleiter Timotheus hat sich zurückgezogen in seine kleine Kammer. Dort sitzt er ganz für sich. Er braucht einmal Abstand von all dem Durcheinander vor seiner Tür. Die letzten Wochen waren anstrengend. Denn es gab Streit in seiner Gemeinde. Der Friede und Zusammenhalt der ersten Zeit war immer brüchiger geworden. Und sein Ziehvater Paulus, der sonst noch für Einigkeit sorgen konnte, war nicht mehr da. Und überhaupt wurde das Klima im ganze Land zuletzt rauer. So empfand es zumin-dest Timotheus. Wenn er durch die Stadt ging, merkte er dort immer mehr Unruhe und Unfrieden zwischen Menschen. Timotheus spürt die Tränen auf seinem Gesicht und die Enge in seiner Brust. Da ist Furcht vor dem, was ist und vor dem, was kommen mag. 

Ihr Lieben, 

ich denke, die Furcht ist in unserer Welt eine treibende Kraft. Denn nicht zu wissen, wie es wird und was kommt, das kann einen ganz schön unruhig machen. Vor allem dann, wenn man um sich herum raues Klima spürt – so wie Timotheus. Da kann die Furcht aufkommen und uns in Unruhe bringen. Den einen treibt diese Furcht – wie den Timotheus – in die Einsamkeit und Verzagtheit. Das Motto ist dann „Flucht“. Einen anderen lässt die Furcht erstarren und teilnahmslos werden. „Augen zu und durch“ Wieder einen anderen treibt sie zu Rechthaberei und Streit. Das Motto: „Angriff“. Gerade in den Tagen der Pandemie erleben wir ja z.B., wie die Furcht vor dem Virus Menschen aufhetzt oder in unglaubliche Verschwörungstheorien treibt. Der Geist der Furcht – in seinen verschiedenen Fa-cetten – er ist ein fester Teil unserer Welt. Und er bringt viel Unruhe und Unfrieden in uns und in unser Miteinander. Was nun tun angesichts der Furcht in dieser Welt? 

Eine weitere Träne fällt auf das Blatt Papier in der Hand des Timotheus. Er hat Post bekommen. Und das nicht von irgendwem. Unter den Zeilen in seiner Hand steht ein ganz vertrauter Name: Paulus. Das allein schon macht sein Herz leichter. Und er liest gute Worte: 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnen-heit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefange-ner bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes. 

Paulus erinnert daran: Gott hat uns seinen Geist gegeben. Und mit seinem Geist setzt Gott unseren bedrückenden Erfahrungen etwas entgegen. Denn sein Geist ist nicht ein Geist der Furcht und der Verzagtheit oder des Unfriedens. Gottes Geist ist ein Geist der Kraft und der Liebe und der Beson-nenheit. Wo Gottes Geist wirkt, da schenkt er die Kraft, auch schwierige Lebensbedingungen zu ertragen und weiter Lebensmut zu haben. Wo Gottes Geist wirkt, da schenkt er die Liebe, einander trotz Streit und Verletzung wieder in die Augen zu schauen und einander zu vergeben. Wo Gottes Geist wirkt, da schenkt er die Besonnenheit, nicht jedem Trend und jeder Meinung hinterherzulau-fen, sondern aus der Ruhe zu leben. An diesen Geist Gottes erinnert Paulus seinen Schüler. Und der soll diese Gabe Gottes in ihm „erwecken“. So heißt es wenige Verse zuvor. Spannend: Was Gott uns schenkt, kann also in unserem Leben einschlummern. Oder erweckt werden, indem wir davon Ge-brauch machen. Und für eine solche erweckte Gabe ist Paulus dem Timotheus wohl das beste Vor-bild. Denn Paulus schreibt seine ermutigenden Zeilen während er in Gefangenschaft sitzt. Gott sei Dank für alle Vorbilder im Glauben, die wir haben. Das ist ganz wertvoll, wenn wir Worte nicht nur auf dem Papier lesen, sondern gelebt und sichtbar vor Augen haben. 

Timotheus spürt in den Zeilen seines gefangenen Lehrers einen guten, anderen Geist. Sein Herz wird ruhiger. Er liest weiter: 

Gott hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium 

Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben ans Licht gebracht. Das ist die Quintessenz des Evangeliums. Und das ist der Grund dafür, dass Paulus trotz Gefangenschaft zuver-sichtlich bleibt. Das ist der Grund, an dem auch Timotheus in seiner Bedrängnis sich aufrichten kann und soll. Der Tod in unserem Leben ist seit Ostern entmachtet, durch Jesus Christus. Und damit ist der Lebensfurcht, die uns oft beschwert, sozusagen der Teppich unter den Füßen weggezogen. Denn die Furcht unseres Lebens gründet doch zuletzt auf der Furcht vor dem Tod, vor einem letzten Schei-tern des Lebens. Weil aber Jesus Christus den Tod besiegt und das ewige Leben für uns gewonnen hat, hat die Furcht dieser Welt auch keinen letzten Grund mehr. 

Noch leben wie in dieser Welt und mit dieser Welt. Und daher bleibt auch die Furcht eine Realität in unserem Leben. Aber in und durch Gottes Wort erfahren wir schon eine neue Realität. Da weht ein neuer Geist – der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 

Timotheus legt den Brief aus der Hand und atmet auf. Er spürt neue Kraft für die kommenden Schritte. Seinen Mitmenschen will er aufs Neue mit Liebe begegnen. Sein Herz ist inzwischen ruhig geworden. Jetzt kann er die Tür seines Kämmerleins wieder öffnen, ermutigt zum Leben

Amen.

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