Gottesdienst zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum 3. Sonntag nach Trinitatis

28. Juni 2020

Gottes Wort für diese Predigt steht im ersten Brief des Paulus an Timotheus im 1. Kapitel, wie wir es bereits mit der heutigen Epistel gehört haben: 

Liebe Gemeinde, da schreibt einer einen Brief an den Leiter einer christlichen Gemeinde. Eine Menge gibt es da zu sagen, denn das Gemeindeleben ist gefährdet. Meinungen sind unterwegs, die den Grund des Glaubens bedrohen. Die Gemeinde ist jung und noch nicht gefestigt. Und auch der Gemeindeleiter ist noch jung und unerfahren. Bei allen Ermahnungen, bei aller Bestätigung dessen, was der Glaube an Jesus Christus bedeutet und was ihn bedroht: Zuerst wird gedankt. 

Es gibt eine Menge zu danken. Manche Situationen laden dazu ein, zurückzuschauen. Wie ist mein Leben geworden? Was habe ich erlebt und wie bin ich da hingekommen, wo ich jetzt bin? Es spielt keine Rolle, ob man dabei auf 60 oder 15 Jahre zurückschaut. Immer wird es Anlässe geben, zu staunen, und Anlässe, zu danken. Und es musste keineswegs so kommen. Es hätte auch ganz anders werden können und ich hätte mich weder wundern noch beschweren müssen. Jetzt darf ich hier sein, gesichert und gesund. Darf inmitten dieser Gemeinde Gottesdienst feiern, darf mit allen zusammen singen. Darf das Evangelium hören, zu Gott beten und ‚Vater‘ zu ihm sagen. Ich darf öffentlich anderen von dem erzählen, was Jesus Christus zu sagen hat. Eine Botschaft, die guttut. Eine Botschaft, die in dieser Welt ganz schön fremd ist. Denn auf einmal bekommt der Mensch nicht mehr, was er verdient. Auf einmal ist das Urteil der Menschen nicht mehr wirklich wichtig. Der Wert des Menschen bemisst sich nicht an dem, was ihm gelingt oder woran er scheitert. Sein Wert besteht darin, dass Jesus Christus uns Gottes offenes Herz zeigt und erleben lässt. So ist Gott, sagt Jesus Christus, und lässt es die Menschen erleben. So ist Gott, sagt Jesus Christus, und sein offenes Herz meint dich. Mit deinem Leben und deiner Geschichte, mit deinen Sorgen und deinen Hoffnungen, mit deinen schönen Erfahrungen und deinen Sünden. 

Ach, Sünde, was für ein großes Wort. Und fremd geworden, oder verniedlicht. Heruntergewirtschaftet auf die Straßenverkehrsordnung, auf falsche Ernährung, auf Alkohol. Oder benutzt, um Menschen ein Etikett aufzukleben, sie in eine Schublade zu stecken. 

Jesus ist in die Welt gekommen und fängt in Galiläa damit an, die Sünder selig zu machen – nicht die Gerechten, wie er selber sagt. 

Sünder und Gerechte, das waren klar definierte Personengruppen. Es waren in Galiläa zur Zeit Jesu nicht einfach alle Menschen Sünder. Jedes Kind wusste, wo im Dorf die Gerechten und wo die Sünder wohnen. Die wohnten nicht vermischt, sondern deutlich getrennt. Sünder zu sein war eine Frage des Berufs; das waren die Menschen, die ihr Geld auf eine Art und Weise verdienten, die nicht mit dem Willen Gottes übereinstimmte. Ein Sünder sündigte berufsmäßig, er sündigte notorisch. Wer z.B. mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeitete, also an der Unterdrückung des Volkes Israel verdiente, war ein Sünder. Gerber waren Sünder, denn sie kamen ständig mit Tierleichen zusammen. Auch Geldverleiher waren Sünder, denn sie nahmen Zinsen dafür und das widersprach dem Gesetz Gottes. Wer von Berufs wegen Geld verlieh, sündigte notorisch, der war ein Sünder. Auch ein Gastwirt war ein Sünder, denn kein anständiger Mensch ging jemals 

in ein Wirtshaus. Und wenn eine Frau Sünderin war, dann war sie in aller Regel eine Prostituierte. Sünder zu sein und so genannt zu werden, und jeder im Dorf wusste das, sprach einem Menschen seinen Platz in der Gesellschaft zu. Mit denen hatte man keinen Kontakt, mit denen redete man nicht. Sonst verlor man seine Werte und verwahrloste. Das wollte niemand. 

Und wenn jemand diese Trennung nicht achtete, dann verlor er selbst sein Ansehen und seinen Platz in der Gesellschaft der Gerechten. Das alles war klar und verständlich, für alle sichtbar geregelt. Man war, wo man hingehörte und man kam da nicht raus. Festgelegt auf seine Sünde. Ohne Zukunft, ohne Chance. 

Unsere niedlichen Vorstellungen von Sünde, zu schnell gefahren zu sein, ein Bier zu viel getrunken, ein Stück Torte zu viel gegessen zu haben, reichen da nicht heran. Dafür hätte Christus Jesus nicht in diese Welt kommen müssen. Das hätten wir schon selbst hingekriegt, mit guten Ärzten und Beratern zu mehr Verantwortung für den eigenen Körper und das Leben der anderen. Aber Sünder selig machen? Sie herauszuholen, worauf sie für immer festgelegt sind? Und dabei den eigenen Platz bei den Gerechten verlieren? 

Ich danke unserm Herrn Christus Jesus. Denn er ist barmherzig. Er schenkt mir etwas, was ich niemals hätte erreichen können. Ich gehöre nicht zu den Gerechten. Ich scheitere am Willen Gottes, immer wieder. Mir steht der Platz nicht zu, den ich habe. Ob ich der Erste bin, wie Paulus von sich sagt, das interessiert mich nicht. Seine Geschichte ist nicht meine. Und deine ist es auch nicht. Keiner von uns nennt sich selbst einen Lästerer oder Verfolger der Christen oder einen Frevler. Nein, wir gehören dazu und es ist uns wichtig, dass es Kirche gibt und wir dazugehören. Und doch gibt es neben den Anlässen zu danken, auch immer wieder Anlässe, von sich selbst überrascht zu sein. Wenn wir an unserem Verhalten entdecken, wie wenig das eigene Leben und der Wille Gottes zusammenpassen, als würden sie sich an getrennten Orten befinden und ein Kontakt ausgeschlossen sein. Als ob ich nicht wüsste, was wirklich wichtig ist. Dass die frohe Botschaft von Jesus Christus Leben sichert, ihm eine Zukunft gibt. 

Dass seine Liebe allein uns herausnimmt aus dem Kampf, etwas leisten und gewinnen zu müssen. Dass menschliche Urteile über andere keine Rolle spielen; weder, was andere über mich denken – und es trifft mich dann doch – noch, was ich über andere denke. Und wie gern beteilige ich mich daran, über andere zu reden und sie zu verurteilen. Tut ja gut, von einem scheinbar gesicherten Platz der Rechtschaffenheit aus. Wie schnell glauben gerade wir zu wissen, wer gut und wer böse ist, wer sündigt und wer gläubig ist, wer drinnen und wer draußen ist. 

Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise. 

Gott sei Dank. Da hat einer Geduld mit mir. Wie gut. Mit mir muss man auch Geduld haben. Sonst kann es nichts werden. Sonst bin ich festgelegt auf das, was man mit mir und an mir erlebt. Seine Geduld lässt mich leben. Seine Geduld macht Sünder selig. Ich danke unserm Herrn Christus Jesus. Denn keiner von uns hat seinen Platz am Tisch des Herrn, weil es ihm zusteht. Er macht uns stark, er erachtet uns für treu, er gibt uns hier einen Platz. Ob wir von der Kanzel aus reden, von der Orgelbank aus musizieren, von hier vorne aus singen, in der Bank singen, beten, zuhören. Es ist seine Barmherzigkeit. Nichts sonst. Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen. 

Lasst uns beten: Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit. 

Amen 

Verfasst von Pfarrer Andreas Schwarz; Pforzheim

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