Gottesdienst zum 6. Sonntag nach Trinitatis

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis

19. Juli 2020

 Gebet: Gott, dein Wort ist wie ein Licht auf unserem Wege. Scheine uns, dass wir sichere Schritte tun. Amen. 

Hört Gottes Wort aus dem 5. Buch Mose im 7. Kapitel. Dort spricht Mose zum Volk Israel: 

„Du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.“ (5. Mose 7,6-12) 

Liebe Gemeinde, 

die Krawatten sind gerichtet und die Kameras laufen. Auf dem schweren Eichentisch stehen die kleinen Staatsfähnchen und sorgen für würdige Stimmung. Daneben liegt ein aufgeschlagenes Buch. Kurz darauf gleitet der goldene Füllfederhalter über das Papier. Ein wichtiger Vertrag wird unterzeichnet. Zwei hochrangige Politiker geben ihren Namen, erst der eine, dann der andere. Der Bund ist geschlossen. Ortswechsel. 

Die Kerzen brennen und die Blumen schmücken den Altar. Zwei Hände liegen zitternd ineinander. Sie haben es gewagt, diesen besonderen Schritt. Viele Wochen haben sie sich vorbereitet. Jetzt stehen sie hier und geben sich ihr Ja-Wort. Erst der eine, dann die andere. Der Bund ist geschlossen. 

Bundesschlüsse gibt es zwischen Menschen in verschiedenen Bereichen des Lebens. In der großen Politik sowie in meiner kleinen Welt. Wir geben uns gegenseitig Versprechen und unterzeichnen das mit unserem eigenen Namen. So kann Leben gelingen, wenn es Worte und Bünde gibt, auf die ich mich verlassen kann. 

Im Wort zur Predigt hören wir heute auch von einem Bundesschluss. Doch in diesem Bundesschluss geht es nicht um einen Vertrag zwischen Staaten oder zwischen einzelnen Personen. Es geht um den Bundesschluss zwischen Gott und dem Volk Israel am Sinai. 

Wir hören dieses Bundeswort heute, weil es an diesem Sonntag auch um einen Bund geht. Um den Bund, den Gott mit uns in unserer Taufe geschlossen hat. Dazu später mehr. Nun aber erst einmal ein Blick in das Alte Testament und auf das Volk Israel. 

Das 5. Buch Mose, aus dem unser Predigtwort stammt, schaut zurück auf den bekannten Bundesschluss am Berg Sinai. Das Volk hat seither einen langen, langen Weg hinter sich. Nun stehen sie an der Grenze zum verheißenen und gelobten Land. Die Spannung steigt. Da erinnert der große Prophet Mose sie noch einmal an das, was sie erlebt haben: 

Israel, Gott hat dich erwählt und aus der Knechtschaft geführt. Damals als Du klein und arm und ohmächtig warst. Gott hat das definitv nicht getan, weil Du ihn damals beeindruckt hast oder weil Du so stark und ansehnlich warst. Nein, in deiner Schwachheit hat er Dich erwählt. Und das allein aus einem Grund: Weil er Dich geliebt hat. Weil er Dich bei sich haben wollte. Weil er dein Gott ist und sein will. 

Das Volk Israel wird erinnert: Der Bund zwischen Gott und Euch ist anders als alle anderen Bünde. Hier haben nicht zwei gleichrangige Vertragspartner ihr Ja zueinander gegeben. Hier hat allein einer gehandelt: Gott hat Israel aus Liebe erwählt. Was Israel, was das Volk, was die Menschen überhaupt, allein tun können, wenn Gott sich für sie entscheidet, das ist: Antworten – und Gottes guten Geboten als Lebens- und Glaubensordnung folgen. 

Liebe Gemeinde, 

nun wäre diese ganze Geschichte für uns nicht viel mehr als ein Stück der Geschichte Israels, wenn nicht – ja wenn nicht auch wir von eben diesem Gott erwählt worden wären. Der Gott, der Israel erwählt und seinen Bund geschlossen hat, der tut dies bis heute und bis zu uns. In deiner Heiligen Taufe hat Gott auch mit Dir seinen Bund geschlossen. 

Und da ist es nicht ganz anders als damals am Sinai: Auch der Bund der Taufe ist kein Vertrag zwischen zwei Partnern auf Augenhöhe. Nein, es ist wie damals beim Volk Israel. Da ist ein Partner, der aus Liebe alles in die Waagschale wirft, der entscheidet und handelt. Und der andere, der empfängt. Ja, bei der Taufe handelt der Heilige Gott. Du hast bei deiner Taufe nicht Ja zu Gott gesagt, aber Gott hat Ja zu Dir gesagt. Du hast da nicht Frieden mit Gott geschlossen – wie könntest Du das überhaupt? – Gott hat Frieden mit Dir geschlossen. Nicht Du hast Dir den Himmel erschlossen, sondern Gott hat das getan aus Gnade und Liebe. 

Das Volk Israel hat bei seinem Bundesschluss von Gott die Gebote empfangen. Sie waren sozusagen der Inhalt des Bundes. Sie waren dem Volk ins Stammbuch geschrieben. Du nimmst mein Gebot als deine Ordnung und in dieser Ordnung sollst du Segen und Barmherzigkeit erfahren bis ins tausendste Glied. Darum ging es im Bund Gottes mit Israel. 

Der Bund der Taufe hat einen anderen Inhalt. Gottes Gebote sind uns erhalten und behalten ihren guten Wert. Sie dienen uns als gute Lebensordnung. Und je mehr wir nach ihnen leben, desto mehr dienen sie uns als guter Rahmen für ein gelingendes Leben. 

Und doch sind die Gebote nicht der Inhalt unseres Gottesbundes. In der Taufe haben wir nicht Gebote empfangen, sondern das heilige Kreuzeszeichen an der Stirn und an der Brust. Unser Bundesinhalt ist allein Jesus Christus. Den hat uns Gott ins Stammbuch geschrieben. 

Jesus Christus hat für Dich alle Sünde weggetragen. Aus Liebe macht er Dir den Weg frei zu deinem Schöpfer. Er ist Dir der allerbeste Seelsorger. Mit seinem Heiligen Geist bist Du beschenkt und begleitet auf deinem Weg zum Leben. 

Jesus Christus, das ist unser Bundesinhalt. Dafür hast nicht Du dich entschieden. Aber der Vater im Himmel hat dich in diesen Bund hineingestellt. Und was auch in deiner Welt zusammenbricht und gebrochen wird. Es ist dieser Bund deines Gottes, der nicht fällt, sondern seine Gültigkeit behalten wird bis zum Jüngsten Tage und in Ewigkeit. Amen. 

Pfarrer Daniel Schröder, Zionsgemeinde Steeden 

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