Gottesdienst zum Himmelfahrtstag

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Himmelfahrtstag

21. Mai 2020 

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, 

es gibt Worte, die wir einander sagen können, die tun so richtig gut. Und manchmal sind das nur ganz wenige Worte, die eine ganz große Wirkung haben. So zum Beispiel auch diese vier Worte: „Ich bete für Dich!“ Wer diese Worte schon einmal gehört hat – und zwar nicht als fromme Floskel, sondern von Herzen gemeint -, der weiß, dass das richtig gut tut. Zu wissen, dass da jemand an mich denkt und meine Not und mein Gebet für mich vor Gott bringt. Vielleicht ist dies ein guter Freund oder der Partner oder auch die liebe Oma. 

Das heutige Predigtwort erzählt davon, dass Jesus Christus für uns gebetet hat. Nicht im übertragenen Sinn, sondern so ganz direkt. Das Johannes-Evangelium erzählt uns genau davon. Von Jesu Gebet für uns, die wir heute seine Kirche sind. Im 17. Kapitel berichtet der Evangelist, dass Jesus kurz vor seinem Tod ein Gebet für seine Jünger spricht. Ich stelle mir vor, wie seine zwölf Jünger um ihn herumstehen, er sie anschaut und für sie betet. Und dann weitet Jesus seinen Blick und schaut auf uns. 

Jesus sprach: „Ich bitte aber nicht allein für sie (meine Jünger), sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater ich will, dass wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe der Grund der Welt gelegt war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. (Johannes 17,20-21) 

Jesus bittet ganz direkt für uns, die wir heute seine Jünger sind. Ganz schön verblüffend. Und nun könnte man sich ja überlegen, was er so alles für uns bitten könnte und sollte: Frieden, Gerechtigkeit, Gesundheit, Wohlstand, ein Ende der Pandemie… All das wäre doch gut. Doch Jesus bittet um eine einzige Sache. Jesus bittet um Einheit. Er bittet den Vater, dass wir, die wir nach seinem Namen Christen heißen, eins seien mögen. Und zwar so wie Jesus und der Vater selbst eins sind. An dieser untrennbar engen Gemeinschaft sollen wir Anteil haben. So wie der Vater den Sohn liebt -ja, wie in Gott selbst die Liebe herrscht- , so soll sie auch unser Miteinander bestimmen. Und diese Einheit in der Liebe würde dann Menschen um uns herum neugierig machen und zum Glauben führen. Das ist Jesu Gebet für uns. 

Und wie sieht es heute aus bei uns mit der Einigkeit? Häufig genug hat es ganz schön Zoff gegeben in der Kirche. Kirche hat sich vielfach getrennt in verschiedene Konfessionen. Und dann wurde heftig gewettert gegen die anderen und nicht selten ihnen der Glaube abgesprochen. Da war die Kirche manches Mal mehr ein abschreckendes Zeugnis der Uneinigkeit als ein ansteckendes Zeugnis der Einheit. Und wir müssen dafür nicht weit in die Vergangenheit schauen. Auch heute gibt es an vielen Stellen Streit in Kirche und Gemeinde. Und manch einer hat das schon schmerzlich erlebt. 

Doch ich denke: Streit darf sein. Vielleicht überrascht das jetzt. Aber ich denke, wenn Jesus um Einheit bittet, dann geht es ihm dabei nicht um Gleichmacherei. So, dass wir immer das Gleiche sagen und denken müssten. Wir sind unterschiedliche Menschen und Charaktere. Wir haben unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Und da zeugt es von Ehrlichkeit, wenn wir dann auch in Streit geraten. Ja, manchmal ist Streit nötig. 

Aber wie ist denn dann mit Jesu Bitte? Jesus hat doch um Einheit gebeten. Wenn wir genau hinschauen, dann bittet Jesus um eine Einheit, die darin gründet, dass wir in Gott eins sind. Es geht also nicht darum, dass wir in allem gleich werden sollen. Es geht um eine Einheit, die darum weiß, dass sie bei aller Unterschiedlichkeit den gleichen Grund hat. In der Heiligen Taufe wird das ganz deutlich. Da wurde ein jeder von uns eingepflanzt in Jesus Christus und damit fest gegründet in der Liebe Gottes. Diese Einheit mit ihm besteht fest und unverbrüchlich. Und durch die Taufe sind eben auch wir alle miteinander verbunden – als Geschwister in Christus. Das ist die grundlegende Einheit der Kirche. 

Doch wie sieht denn nun ein Streit in dieser Einheit aus? Vielleicht so: Da sage ich meinem Mitbruder, wo ich anderer Meinung bin, aber ich spreche ihm nicht seinen Glauben ab. Da sage ich meiner Mitschwester, wo sie mich mit einem Wort verletzt hat, aber weiß uns beide von Gottes Liebe und Vergebung umfangen. Ich denke, so könnte es aussehen, das Einssein der Kirche. Und ja, ich glaube, eine solche Kirche, die streitet und dabei trotzdem ganz grundlegend verbunden bleibt, das wäre ein gutes Zeugnis für diese Welt. Denn gerade in diesen Tagen der Corona-Proteste erleben wir es ja ganz scharf, wie dicht in dieser Welt oft Streit und Uneinigkeit sind. Da täte es gut, wenn wir uns streiten könnten ohne dabei einander zu verlassen. 

Doch bei allen Überlegungen, wie Einheit aussehen und wie sie andere Menschen anstecken könnte, tut vor allem der Blick auf Jesu Worte gut. Denn er selbst bittet seinen Vater für uns um die Einheit. Und wenn wir uns heute an die Himmelfahrt Jesu erinnern, dann hören wir ja, dass Jesus kein Relikt aus alten Zeiten ist. Er lebt und sitzt zur Rechten des Vaters. Und sein Wille und Gebet gilt bis heute. Er bittet für uns, damit wir alle eins seien. Das macht Mut, gemeinsame Schritte zu gehen. Und zu vertrauen: Unser Gott selbst wird sie einmal bei sich ganz zusammenführen. Amen. 

Gebet (formuliert vom Jugendkreis Lämmerorden)

Guter Gott, wir bitten für die Einheit der Christen, vor allem in der aktuell schwierigen Zeit. Wir bitten für ein gutes Miteinander aller Gläubigen, sodass wir bei den andauernden Ausgangsbeschränkungen nicht den Glauben verlieren und bald wieder unser Gemeindeleben fortführen können 

Wir bitten für alle Familien, die in diesen außergewöhnlichen Zeiten mehr als sonst zuhause aufeinander sitzen. Gib ihnen die nötige Liebe und Kraft, alle stressigen Situationen zu meistern. Wir bitten für alle Kinder, die jetzt ihre Liebsten und Freunde nicht sehen können. Gib ihnen die Geduld diese Zeit zu überstehen und kreative Ideen, die Distanzen kleiner erscheinen zu lassen. 

Wir bitten für alle Berufstätigen, welche nun in Kurzarbeit arbeiten und um ihre Existenz bangen. Für alle die, die im Beruf überlastet sind. Schenke ihnen Kraft, Hoffnung und Zuversicht in der Krise. 

Wir bitten für die alten Menschen, die sich zur Zeit im Pflegeheim oder häuslicher Isolation befinden 

Für alle Notleidenden und Kranken, vor allem die, die unter Covid19 leiden müssen. Schenke ihnen Hoffnung und Zuversicht in dieser schwierigen Zeit und gib ihnen Kraft im Glauben. 

Für uns und alle Aufgaben, die vor uns stehen. Gib uns die Kraft, diese wir jetzt brauchen, um diese Krise gemeinsam durchzustehen. Schenke uns ein offenes Herz für die Sorgen und Nöte der Anderen und fördere die Solidarität in unserer Gesellschaft. 

Vaterunser im Himmel, geheiligt, werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld - wie auch wir vergeben unser‘n Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

Es segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. 

Pfarrer Daniel Schröder, Zionsgemeinde Steeden  

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