Gottesdienst zum Pfingstfest

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Pfingstfest

31. Mai 2020 

 Hört Gottes Wort aus der Apostelgeschichte im 2. Kapitel: 

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. (Apostelgeschichte 2,1-13) 

Liebe Gemeinde, 

was für ein Spektakel am ersten Pfingstfest. Die Jünger Jesu sind wie so oft beisammen, seid ihr Herr nicht mehr bei ihnen war. Sie erinnern sich, hoffen, zweifeln und warten. Was würde jetzt wohl kommen? Da weht auf einmal ein starker Wind durch das ganze Haus, etwas wie feurige Flammen kommt über einen jeden von ihnen und sie reden plötzlich in allen denkbaren Sprachen. Was für ein Spektakel. 

„Mensch, die sind doch betrunken. Das ist doch nicht normal.“ So war die erste Reaktion derjenigen, die in der Umgebung waren und das Spektakel erlebten. Und ich kann sie gut verstehen. Denn wenn ich heute diese Geschichte höre, dann ist mein erster Gedanke auch: Das ist doch nicht normal. Was steckt nur hinter diesem spektakulären Bericht? Denn so erlebe ich es doch nicht. Dass der Heilige Geist unsere Kirchen durchfegt und uns spektakulär verändert. Nein, statt Spektakel ist da oft mehr mühsame Arbeit und Sorge um die Zukunft der Kirche. 

Und da liegt es nicht fern zu meinen: Nun ja, Gottes Geist, der weht doch nur dort, wo auch Spektakel erlebbar ist. So wie es vom ersten Pfingstfest berichtet wird. Diese Versuchung gab es damals als z.B. die Gemeinde in Korinth von Paulus und seiner unspektakulären Art enttäuscht war. Diese Versuchung gibt es heute, wenn in manchen Kirchen und Gemeinden das Christsein an der sichtbaren Geistbegabung gemessen wird. Oder wenn andere Gemeinden darüber verzagen, dass ihr Gemeindeleben scheinbar so unspektakulär ist. Denn Gottes Geist, der ist doch Spektakel. So ist man versucht zu meinen. 

Wenn wir aber schauen, was die Bibel noch vom Heiligen Geist erzählt, dann können wir eine wunderbare Überraschung erleben. Denn der Heilige Geist ist nicht begrenzt auf damals und auf einige große Spektakel. Der Heilige Geist ist viel alltäglicher. Er ist heute und ist mitten unter uns und mitten in uns. Denn seit der Heiligen Taufe gehört Gottes guter Geist zu unserem Leben dazu. Im Titusbrief nennt Paulus sie das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist also in uns am Werk. Pfingsten ist also nicht vor allem damals und Spektakel, sondern Pfingsten ist heute und auf ganz verschiedene Weise. 

Und wie Gottes Geist heute in und unter uns wirkt, das ist vielleicht doch gar nicht so fern von dem, was wir in der Apostelgeschichte gehört haben. 

Der Heilige Geist wirkt nämlich wie ein Wind, der durch unser Leben weht und uns immer wieder in Bewegung setzt. Er umweht uns da, wo die Resignation und der Stillstand uns einnehmen wollen. Plötzlich ist sie wieder da, die Frage nach Gott, und wir gehen aufs Neue auf die Suche und ins Gebet. Da kommen wir in Bewegung und das Leben geht weiter. Da ist der Heilige Geist wie so ein kühler Wind, der unser Haus erfrischt. 

Der Heilige Geist wirkt wie eine feurige Flamme, die uns neu entfacht. Sicher kennt Ihr das auch: Da sitzt man an einem lauen Sommerabend am Lagerfeuer und kann stundenlang dasitzen und auf die Flammen schauen. 

Denn diese Wärme und dieses Licht, sie faszinieren. So ist es auch, wenn der Heilige Geist uns Gottes-Momente schenkt, ein Wort, eine Begegnung oder ganz Verschiedenes. Plötzlich spüre ich: Ich bin nicht allein. Gott ist da. Faszination. Da gibt der Heilige Geist etwas von seiner Lebensflamme und es beginnt zu leuchten, wo es eben noch grau in grau war. 

Der Heilige Geist wirkt wie ein Dolmetscher. Plötzlich ist Verständnis da, wo Menschen einander fremd waren. Ich staune immer wieder: Gemeinde Jesu - hier in unserem Ort und in der ganzen Welt – ist so ein wunderbar bunter Haufen. Menschen, die so unterschiedlich sind und sich manchmal auch richtig fremd sind, verstehen sich. Nein, nicht so, dass Friede, Freude, Eierkuchen in der Kirche wäre. Es gibt da auch viel Nicht-Verstehen und Konflikt. Und dennoch kommen wir Woche für Woche zusammen, weil uns eines eint – weil uns einer eint. Der Heilige Geist schenkt uns gemeinsam, dass wir verstehen: In Jesus Christus ist die Liebe Gottes, unseres Vaters, da. Und darin sind wir verbunden über alle Differenzen hinweg. 

Am Ende des Pfingstfestes heißt es in der Apostelgeschichte: 

Als sie aber das hörten (was die Apostel sagten), ging's ihnen durchs Herz. (Apg 2,23) 

Das ist es was der Heilige Geist wirkt – damals wie heute – laut oder leise. Er führt Menschen dahin, dass uns Jesus Christus ins Herz geht. Dazu bewegt er uns wie ein starker Wind, dazu begeistert er uns wie eine feurige Flamme. Und dazu führt er uns zusammen, als seine Pfingstgemeinde. Und als diese feiern wir heute Gottes Geist, der mit uns ist und es auch in Zukunft sein wird. 

Amen. 

Gebet: 

Allmächtiger Gott, unser barmherziger Vater, 

Wir danken Dir heute am Pfingstfest, dass Du uns nicht allein lässt, sondern deinen Geist gegeben hast. Wir bitten Dich: 

Komm in unser Leben wie ein frischer Wind. Bewege unsere Herzen, wo wir resigniert sind und es scheint, dass das Leben festgefahren ist. Wir bitten Dich für alle, die krank oder verletzt sind, die einsam oder traurig sind. Gib neuen Mut aufzubrechen ins Leben. Bewege uns, dass wir dich suchen und deine Hilfe erfahren. 

Komm in unser Leben wie eine brennende Flamme. Entfache in uns das Vertrauen und die Hoffnung, dass wir bei Dir das Leben finden. Lass die Sterbenden und Trauernden Trost erfahren. Stärke die Flamme der Liebe, dass wir unseren Mitmenschen und unserer Mitwelt mit Achtung begegnen. 

Komm in unsere Welt und schaffe Verständnis. Schaffe Frieden, wo Krieg, Streit und Hass das Miteinander bestimmen. Lenke die Herzen zueinander in unserem Land, in unseren Familien, in unserer Gemeinde. Lass uns erkennen, dass wir in Dir und deiner Liebe verbunden sind. 

So bitten wir Dich um deinen Heiligen Geist, der uns bewegt und entfacht und zusammenbringt. Durch Jesus Christus unseren Herrn und Heiland. Amen. 

Vaterunser im Himmel, geheiligt, werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld - wie auch wir vergeben unser‘n Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 

Es segne und behüte uns Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. 

Pfarrer Daniel Schröder, Zionsgemeinde Steeden  

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