Invokavit

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Invokavit

Hört Gottes Wort aus dem Johannes-Evangelium. Gerade eben hatte Jesus noch mit seinen Jüngern zu Tisch gelegen und ihnen die Füße gewaschen. Was für ein erstaunlicher Dienst des Meisters an seinen Jüngern. Und dann hatte er zu ihnen geredet und ihnen seinen Passionsweg angekündigt. Hört weiter aus dem 13. Kapitel:

21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. 23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. 24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. 25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's? 26 Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! 28 Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. 29 Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. 30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Liebe Gemeinde,

und es war Nacht. So endet dieser bedrückende Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium. Der Evangelist will damit wohl viel mehr ausdrücken, als etwas über die Tageszeit zu berichten. Es war Nacht, das bedeutet auch: Es war eine dunkle Stunde für die Jünger und ihren Meister – für ihre Gemeinschaft.

Gerade eben noch hatten die Jünger gestaunt und waren sprachlos. Jesus selbst hatte für sie den Schurz umgebunden und ihre dreckigen Füße in seine Hände genommen. Ihr Herr war sich nicht zu schade diesen Dienst für sie zu tun und ihnen die Füße zu waschen. Ein Beispiel sollte das sein auch für ihre Liebe untereinander. Wie dicht muss da die Stimmung gewesen sein, als Jesus von Mann zu Mann ging und ein jeder rein und sauber wurde.

Doch dann bricht die Stimmung. Wir lesen davon, dass Jesus in Aufregung gerät. Und den Jüngern wird bange. Einer von ihnen würde Jesus verraten. Sie schauen einander an und weichen doch zugleich jedem längeren Blick aus. Statt dichter und vertrauter Stimmung plötzlich Misstrauen und Zweifel – ja, vielleicht auch Selbstzweifel. Könnte ich es sein?

Und es war Nacht. Diese Geschichten leiten bei Johannes die Passionserzählung ein, die wir in den kommenden Wochen bedenken werden. Da werden wir von manch dunklen Stunden hören. Dunkle Stunden für die Jünger, die im Garten Gethsemane verpennen, die ihren Herrn verraten, die ihren Herrn verlassen. Und die das später voll Trauer erkennen. Dunkle Stunden für Jesus, der verlassen wird, der geschlagen und verhöhnt wird, der am Ende sein Leben aushaucht am Kreuz von Golgata. Dunkle Stunden für Jesus und für seine Jünger.

Dunkle Stunden kennt jeder von uns. Gerade schien noch die Sonne und alles schien im Lot. Doch dann werde ich durcheinandergeworfen. Ein unbedachtes Wort, eine ungute Tat. Und ich erschrecke über mich selber. So habe ich es doch nicht gemeint, so habe ich es doch nicht gewollt. Und doch getan. Die dunklen Stunden der Jünger sie sind auch ein Spiegel für uns Christen und unsere dunklen Stunden. Ein Spiegel auch für die Kirche Jesu, die manches Mal schon durch liebloses Tun und Lassen ihren Herrn verraten hat. Ganz ähnlich wie Judas.

Ein anderer Evangelist, Matthäus, erzählt die dramatische Geschichte des Judas bis zum Ende. Da hören wir davon, dass der Jünger über seine Tat so sehr verzagt, dass er sich selbst das Leben nimmt. So dunkel kann es werden in einem Herzen, dass es scheint, als gäbe es keinen Ausweg mehr.

Ein tröstliches Bild für solche dunkle Stunden ist mir in diesen Tagen begegnet. Es zeigt die steinerne Säule einer Kathedrale im französischen Burgund. Ganz oben ist das Kapitell kunstvoll verziert – vor allem tröstlich verziert. Da ist auf der einen Seite Judas zu sehen, wie er mit geöffnetem Mund und weiten Augen am Strick hängt. Dunkelheit. Doch auf der anderen Seite des Kapitells wird es hell. Da ist ein Hirte, der den Judas auf seine Schultern genommen hat und trägt. Judas und der Hirte, so wurde dieses Bild genannt. Jesus ist der gute Hirte, der auch dem verlorensten Schaf nachgeht und dafür keinen Weg scheut.

Mir zeigt dieses tröstliche Doppelbild von Judas und dem Hirten: Für Gott ist kein Dunkel dieser Welt zu dunkel. Bei ihm gibt es keine ausweglose Lage. In diesen Wochen begleiten wir Jesus ja nicht allein auf seinen Weg ins Dunkel des Kreuzes. Wir belgeiten Jesus auch auf seinem Weg zum Ostermorgen. Jesus geht in dunkle Stunden, doch am Ende wird es hell und wird es Morgen. Gottes Liebe, sie ist stärker als alles, was unser Leben durcheinanderwerfen will.

In dieser Zuversicht können wir die Passionszeit mit Jesus und seinen Jüngern leben. Manch dunkle Stunde gibt es – damals wie heute. Doch am Ende siegt das Licht des Ostermorgens. Und das gewiss in Ewigkeit.

Amen.

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