Judika

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Judika

 

Hört Gottes Wort aus dem Buch Hiob. Dort hören wir von einer Rede des Hiob an seine Freunde. Im 19. Kapitel spricht er:

„Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Er-barmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust. (Hiob 19,19-27)

Liebe Gemeinde,

Warum? Warum, Gott, lässt Du das zu? Eine Frage, die wohl alle gut kennen. Es gibt Lebenssituationen, die sind so schwer und bedrückend, dass es geschehen kann, dass wir Gott und die Welt nicht mehr verstehen. Warum Gott? Ein junger Vater, der sich von Krebstherapie zu Krebstherapie schleppt. Und darunter immer schwächer wird. Ein Kind, das von Geburt an so viel Schlimmes erlebt hat. Und darun-ter innerlich kaputt geht. Nicht zu denken an all die traurigen Schicksale in den Krisenregionen dieser Welt. Warum, Gott, all das? Diese Frage ist in dieser Welt präsent. Und darum mute ich uns heute so einen schweren Predigteinstieg zu. Denn unser Predigtwort aus dem Hiobbuch reiht sich in diese Bei-spiele aus unserer Zeit ein. Das Hiobbuch ist in der Bibel so etwas wie eine Beispielgeschichte oder ein Platzhalter für all die Leidgeschichten dieser Welt.

Hiob erlebt Leid aufs Äußerste. Als wohlhabender und angesehener Mann beginnt die Erzählung vom Hiob. Doch dann bricht es über ihn herein. Erst belagern Feinde sein Familienunternehmen und es geht bankrott. Dann sterben durch ein Unwetter alle seine Kinder. Und als wäre das nicht schon genug des Elends, bekommt er selbst eine schwere Krankheit. Geschwüre auf der ganzen Haut, die ihn den ganzen Tag schmerzen und plagen. Schlimmer geht’s wohl kaum. Wer will es Hiob verdenken, dass er über all diesem Mist in Verzweiflung fällt und sogar den Tag seiner Geburt verflucht.

Hiob erlebt dieses äußerste Elend als ein Beispiel für das, was auch unter uns Menschen erleben. Auch er schlägt sich herum mit der Frage nach dem „Warum?“. Und er findet darauf keine letzte Antwort. Diese Frage bleibt wohl in dieser Welt unbeantwortet. Aber Hiob geht mit dieser Frage und Anfrage Gottes um. Und wie er das macht, beeindruckt mich.

Zuerst einmal: Hiob klagt. Unser Predigtwort stammt aus den Reden des Hiob und seiner Freunde. Und dort klagt Hiob über sein ungerechtes Leiden und hält nicht zurück, was sein Herz fühlt. Er klagt Gott an. Er will von Gott wissen, aus welchem Grund ihm das alles widerfährt. Und seine Freunde? Sie kön-nen sein Klagen nicht aushalten. Auf verschiedene Art und Weise versuchen sie Hiob klarzumachen,

wie das alles theologisch zu verstehen sei. Nach der theologischen Logik ihrer Zeit musste er irgendwo etwas falsch gemacht haben. Also klage nicht, sondern bereue, lieber Hiob. Wie unbarmherzig. Worte wie Schläge.

Ihr Lieben, ich glaube so sehr uns diese Freunde und ihre Reaktion vielleicht ärgert, sie sind uns nicht ganz unbekannt. Auch heute erleben leidende Menschen ähnliches. Dass unerklärliches Leid nicht mit ausgehalten, sondern erklärt wird. „Gott will den Papa halt schon bei sich haben.“ „Alles hat seinen Sinn, wir können das halt nur nicht alles erkennen.“ So oder so ähnlich klingt das heute. Solche Worte können auch wie Schläge sein. Hiob sagt Nein. „Nein dieses Leiden ist nicht erklärbar. Und darum klage ich und streite mit Gott.“ Ganz schön herausfordernd. Die Freunde konnten das nicht aushalten und machten für Hiob alles nur noch schwerer. Doch vielleicht liegt gerade in dieser ehrlichen Klage etwas Heilsames. Denn da muss ich meine Wut und mein Unverständnis nicht zurückhalten. Da darf es raus, was mir auf dem Herzen ist. Und es hat seinen Empfänger. Hiob zieht ja keinen Schlussstrich unter die Sache mit Gott. Sondern er nimmt Gott gerade ernst und geht darum mit Gott in den Streit.

Und dadurch keimt selbst in seinem tiefsten Leid noch eine Hoffnungsspur auf. Denn von diesem Gott, den Hiob, in seinem Leid nicht mehr versteht, hatte er doch schon so ganz Anderes erfahren. Den frühe-ren Segen in seinem eigenen Leben. Die Glaubensgeschichten, die er von seinen Eltern gehört und sei-nen Kindern weitergegeben hatte. All das erzählte doch von einer anderen Seite Gottes. Der Gott, der ihm in seinem Leiden so verborgen ist, der hatte sich doch auch schon so ganz anders gezeigt. So freundlich und gütig und treu. Diese Seite Gottes ist so trostvoll. Und dadurch gibt es inmitten der Klage des Hiobs ein erstaunliches Hoffnungwort:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Manchmal müssen wir von Gott zu Gott fliehen. So hat es Martin Luther einmal gesagt. Es gibt Seiten Gottes, die sind uns in dieser Welt verborgen. Wir können nicht erklären, warum Gott manche Dinge

zulässt. Da erscheint Gott unverständlich und vielleicht sogar gemein. Und das dürfen wir beklagen. Und zugleich den Blick auf die Seite Gottes richten, die er uns zugewandt hat. Wo er uns sich zu erken-nen gegeben hat. Die Seiten Gottes, die uns nicht verborgen, sondern offenbart sind. Der Gott, der uns in seiner Schöpfung das Leben schenkt und liebt. Der Gott, der uns in Jesus Christus freundlich entge-genkommt und uns vergibt. Der Gott, der uns im Heiligen Geist seine Treue zusagt.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Diese Warum-Frage kommt nicht aus dem Mund des Hiob? Auch nicht aus unserem Mund? Sie kommt aus dem Mund Jesu, als er am Kreuz stirbt. Dort reiht sich der Sohn Gottes selbst ein in die Gemeinschaft der Leidenden. Doch dieses Wort bleibt nicht das Einzige. In seinem Leid spricht er: „In deine Hände befehle ich meinen Geist!“ Und dann wird es Ostern. Wonach Hiob sich von Herzen gesehnt hat, das ist in Jesus Christus für uns vollbracht: Erlö-sung und neues Leben, in Ewigkeit.

Amen.

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