Kantate

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Kantate

Hört Gottes Wort aus dem Lukas-Evangelium im 19. Kapitel. Jesus zieht in Jerusalem ein, wenige Tage vor seiner Passion. Er reitet auf einem Eselsfüllen und um ihn herum sind viele seiner Jünger. Und dann hören wir:

Und als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freude Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. (Lk 19,37-40)

Liebe Gemeinde,

eine Geschichte vom Singen und vom Schweigen. Wie passend in diesem Jahr, wo wir erneut Kantate feiern und dazu schweigen. „Singet“, ruft uns der Sonntag auf. Und doch müssen wir aufgrund der Pandemie noch immer gerade darauf verzichten. Und das ist gar nicht so leicht. Denn Gesang ist ja nicht das verzichtbare Sahnehäubchen auf unserem Gottesdienst. Gott mit Gesang – und damit von der Tiefe des Herzens - zu loben, gehört eigentlich ganz fest dazu.

So hören wir auch von der singenden Jüngerschar Jesu. Sie ziehen mit ihm ein in Jerusalem und da überkommt sie tiefe Freude. Und sie beginnen zu jubeln und zu singen. Denn in diesem Moment, vor den Toren der Heiligen Stadt, sehen sie Jesus und erinnern sich. Sie erinnern sich an all das, was sie bei ihm erlebt haben. Kranke und besessene Menschen werden frei und gesund. Seine Worte machen das Herz neu und zeigen Gottes Liebe und Barmherzigkeit für uns Menschen. All das haben die Jünger bei Jesus erlebt. Und das erfüllt sie mit solcher Freude, dass sie sie laut jubeln und singen.

Kennen wir das auch? Momente, in denen uns Gottes Liebe das Herz erfüllt und Freude schenkt. Sicherlich, wir erleben das nicht in gleicher Form wie die Jünger, die Jesus vor Augen hatten. Und doch gibt es diese Momente, wo wir im Glauben erkennen, wie reich wir eigentlich beschenkt sind von unserem Schöpfer. Da war ich begleitet von einem Menschen, durch den mir Gottes Liebe erfahrbar wurde. Da habe ich in anderes Mal Worte gehört, die neue Hoffnung und Zuversicht geschenkt haben. Da habe ich unseren Herrn Jesus Christus im Blick, der sich für uns gegeben hat und für uns zum Anfang des neuen Lebens geworden ist. Ich denke, es ist gut, wenn wir uns einüben, die vielen Gottesgeschenke in unserem Leben zu sehen und uns daran zu erinnern. Und dann beginnt das Herz zu jubeln.

Damals haben die Jünger Widerstand gegen ihren Gesang gehört. Da regen sich die Pharisäer auf, weil sie den Jubel der Jünger nicht hören mögen oder ihn für unangebracht halten. Diesem Jesus darf doch nicht zugejubelt werden wie einem König oder einem Gott. Was sollen nur die Schriftgelehrten und Priester dazu sagen? Das ist doch verboten. Und was werden die Römer dazu sagen? Das ist doch gefährlich. Also, schweiget!

Schweigen ist auch für uns heute angesagt. Doch aus einem anderen Grund. Niemand in unserem Land will uns verbieten, dass wir Gott mit Liedern loben. Gott sei Dank für diese Freiheit des Gottesdienstes. Zum Schweigen sind wir vielmehr aufgerufen, weil wir hoffen auch damit die Pandemie einzudämmen. Und doch fällt dieses Schweigen schwer – je länger, je mehr.

Doch es gibt noch ein Schweigen, dass noch ernster und schwerwiegender ist. Wenn nämlich unser Herz nicht mehr singen und jubeln mag. Wenn uns unter der Last des Lebens und dieser Tage die Freude und Zuversicht abhanden gekommen ist. Wenn wir plötzlich das Gefühl haben, ich kann Gott gerade gar nicht mehr loben. Zu schwer und zu zweifelhaft ist mir vieles geworden. Ich glaube, auch dieses Schweigen erleben manche Menschen in dieser Krisenzeit. Und das ist schwer zu ertragen.

Da ist es tröstlich, was Jesus im heutigen Evangelium sagt. Die Pharisäer hatten ihn aufgefordert für Ruhe zu sorgen. Er und seine Jünger sollen schweigen. Da sagt Jesus ein ganz erstaunliches Wort:

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Jesus macht mit diesen Worten klar, dass das Lob Gottes nicht aufhören wird. Selbst, wenn seine Jünger schweigen müssen, weil sie nicht mehr singen dürfen oder können, wird es den Lob Gottes weiter geben. Die Steine werden schreien, sagt Jesus. Dieses Bild übersteigt das, was wir menschlich für möglich halten. Ich kann es nur so verstehen: Gott selbst wird das Schweigen durchbrechen und für sein Lob sorgen. Unser Loben und unser ganzer Glaube ist zuerst und zuletzt Gottes Werk. Ihm dürfen wir vertrauen, dass er uns durch alle Durststrecken hindurch erhalten wird. Es wird nicht für immer schweigsam bleiben.

Mich begeistert das Bild der schreienden Steine noch auf eine andere Weise. Jesus verweist damit nämlich auf die Schöpfung und ihren Lob. Die Gemeinde Gottes und der Lob Gottes ist nicht begrenzt auf uns Menschen. Die ganze Schöpfung ist Zeugnis für die Güte des Schöpfers. Und ein jedes Werk Gottes lobt ihn einfach dadurch, dass es ist. Selbst der harte, kalte Stein ist ein Lob auf den Schöpfer. Lassen wir uns doch gerade in diesen Frühlingstagen von dem Jubel der Schöpfung Gottes anstecken. Wir stehen nicht allein im Gotteslob. Sondern wir sind umgeben und hineingegeben in die wunderbare Schöpfung Gottes. Jedes grünende Blatt und jedes huschende Tier sind ein Lobgesang auf den Schöpfer.

So möge uns dieser stille Sonntag Kantate aufrufen zum Lob unseres Gottes und zum Vertrauen, dass er einmal alles Schweigen durchbrechen wird.

Amen.

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