Lätare

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Lätare

Hört Gottes Wort aus dem heutigen Evangelium, bei Johannes im 12. Kapitel:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.“ (Joh. 12,24-25)

Liebe Gemeinde,

„Hasse dein Leben“. Können wir uns einen Ratgeber vorstellen, der diesen Titel trägt? Ist das ein Rat, den wir unseren Kindern, den wir uns selbst geben würden? Sicherlich nicht. „Hasse dein Leben, damit es gelingt“. So könnte ich aber aus den Worten des Evangeliums einen Lebensrat ableiten. Und ich bin verwirrt. Nein, also wirklich, diesen Rat möchte ich niemandem geben. Es ist doch vielmehr so, dass Selbsthass kaputt macht und es ein gutes Maß an Selbstliebe braucht, um leben zu können. Ja zu mir selbst sagen zu können - trotz meiner Ecken und Kanten -, das ist doch eine ganz wichtige Lebensaufgabe; nicht nur für Kinder.

Wie also sollen wir dann das Wort Jesu verstehen vom Lieben und Hassen des Lebens? Jesus hat es das nicht ohne Grund gesagt: „Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.“

Schauen wir ein Stück näher hin. Jesus Christus sprach und dachte aramäisch. Eine Sprache, die ganz dicht verwandt ist mit dem Hebräischen des Alten Testaments. Und das gilt auch noch für die Jünger Jesu und die Verfasser der Evangelien. Sie schrieben griechisch - Weltsprache ihrer Zeit – doch sie dachten oftmals eher hebräisch. Und dort im Hebräischen gibt es zu unserem Wort eine interessante Entdeckung zu machen. Im Hebräischen hat „hassen“ nämlich ein viel weiteres Bedeutungs-Spektrum. Es reicht von der massiven Härte, die es im Griechischen und Deutschen hat, bis zu einem Verständnis von „zurücksetzen“ oder „nicht so wichtig nehmen“. Und so liest sich in einer anderen Bibelübersetzung unser Predigtwort so: „Wem sein Leben über alles geht, der verliert es. Aber wer sein Leben in dieser Welt nicht für das Wichtigste hält, wird es bewahren bis ins ewige Leben“ (BasisBibel).

Ich finde das erhellend. Es geht Jesus nicht darum, uns zu einem zerstörerischen Selbsthass auf-zurufen. Als Geschöpfe Gottes sollen wir leben und das Leben, das Gott uns gibt, dankbar lieben. Die Frage ist nur, wie diese Liebe aussieht, damit das Leben gelingt? Und hier weist Jesus unser Denken zurecht.

Das Leben gelingt nicht dadurch, dass Du alles, was geht, für dich auskostest und nutzt. Nicht das erfüllt dein Leben, alles zu haben, zu machen, zu bekommen. Es ist ja durchaus naheliegend zu meinen: Ein erfülltes Leben finde ich, indem ich möglichst viel in mein Leben hineinfülle. Aber Jesus sagt: Wer sein Leben auf das Füllen und Haben ausrichtet, der verliert es am Ende. Denn was kann ich schon mitnehmen auf die letzte Reise?

Stattdessen ist es so: Das Leben gelingt, indem Du es hingibst. Was widersprüchlich und paradox klingt, haben doch viele schon erlebt. Ich denke an Freundschaften oder an das Leben in der Ehe. Gemeinsames Leben gelingt ja gerade dann, wenn wir nicht krampfhaft am Eigenen festhalten, sondern uns aneinander hingeben. Noch deutlicher wird das, wenn einem Paar Kinder geschenkt werden. Da investieren sich Eltern für ihre Kinder aufs Äußerste und finden gerade darin Erfüllung. Stillen, füttern, Wäsche machen. Windeln wechseln, Nächte wachen, Tränen trocknen. Und dann mit müden Augen das schlafende Kind im Arm sehen. Und Freude im Herzen spüren. Beispiele, die zeigen: Erfülltes Lebens finden wir nicht da, wo wir das Leben festhalten, sondern da, wo wir es hingeben – an Aufgaben, an Menschen, an Gott.

Für dieses Geheimnis des Lebens gibt Jesus seinen Jüngern ein Bild aus der Natur: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ In diesen Frühlings-Wochen können wir genau das in erleben. Wie das Samenkorn, das in die dunkle Erde hingegeben wird, gerade durch sein Vergehen neues Leben und Frucht bringt. Wie wäre es, heute ein Samenkorn in die Erde zu legen und uns dann in den kommenden Wochen immer wieder an dieses Wort Jesu erinnern zu lassen?

Doch das Beispiel des Samenkornes gibt Jesus nicht zuerst mit Blick auf uns und unsere Nachfolge. Er sagt es zu seinen Jüngern mit Blick auf seinen eigenen Weg. Sie waren gerade in Jerusalem eingezogen. Da gibt er ihnen dieses Bild, um zu zeigen, was es mit seinem Weg auf sich hat – seiner Sendung, seinem Da-Sein für die Armen und Schwachen und seinem Weg ins Leid. Sie sol-len an diesem Bild verstehen, was jetzt in Jerusalem geschehen wird. Jesu Leidensweg muss ja für die Jünger verstörend gewesen sein. War mit diesem grausamen Ende am Kreuz nicht alles in Frage gestellt, was Jesus für sie war? Wir hören in der Passionserzählung, dass Jesus selbst mit seinem Weg gerungen hat und darüber Tränen und Schweiß vergoss. Doch Jesus wusste, dass dieser Weg nun nötig war. Und das zeigt er seinen Jüngern an: So wie ein Samenkorn in die Erde muss, damit Neues entsteht, so auch ich. Mein Weg ist ein Weg der Hingabe. Ich gebe mich für euch hin, damit ihr Leben habt. Das ist das Geheimnis der Passion Jesu, das uns dankbar staunen lässt.

Diesem hingebungsvollen Gott, der uns da in Jesus begegnet, dem folgen wir nach in unserem Christenleben. Wo wir uns selbst in diese Spuren der Hingabe begeben, da sollen auch wir erle-ben, dass gerade das Füreinander Glück und Erfüllung bringt. Und wo wir uns zuerst und zuletzt an ihn, den ewigen Gott, hingeben – unsere Hoffnung und unsre Vertrauen allein auf ihn setzen –, da geht schon jetzt etwas auf von der Frucht des ewigen Lebens: Freude und Friede in Jesus Christus, unsrem Herrn.

Amen.

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