Okuli

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Okuli

Hört Gottes Wort aus der heutigen Epistel, dem Epheserbrief im 5. Kapitel:

„So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. (…) Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,1-2.8-9)

Liebe Gemeinde,

was macht ein Leben in der Nachfolge Jesu eigentlich aus? Wie sieht es aus, wenn ich als Christ oder Christin mein Leben führe? Auf die Frage des heutigen Sonntags gibt der Epheserbrief eine herausfordernde Antwort. Christliches Leben macht einen deutlichen Unterschied. Ein Leben in der Nachfolge besteht nicht allein aus dem sonntäglichen Kirchgang und dem gesprochenen Glaubensbekenntnis. Christsein hat Auswirkungen auf unser ganz alltägliches Leben, Tag für Tag.

Paulus nennt uns Christen sogar Kinder des Lichts. Und er beschreibt, wie so ein Leben im Licht aussehen soll: Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit. Mit diesen drei Worten umschreibt er ein christliches Leben. Güte: Wir sollen das Gute suchen für unsere Nächsten. Das heißt für mich, meinen Nächsten immer wieder freundlich und förderlich zu begegnen. Gerechtigkeit: Wir sollen uns dafür einsetzen, dass ein jedes Lebewesen zu seinem Lebensrecht kommt. Damit das Leben so gelingen kann, wie der Schöpfer es sich erdacht hat. Wahrheit: Wir sollen nicht täuschen, sondern ehrlich und dadurch vertrauenswürdig sein. So könnte es also aussehen, das Leben in der Nachfolge, das Leben im Licht.

Und was gar nicht geht, sagt der Apostel auch: Unzucht, Unreinheit und Habsucht. Vor diesen Dingen wird im Neuen Testament an verschiedenen Stellen gewarnt. Sie stehen dabei stellvertretend für all die Dinge, mit denen wir Menschen uns grenzenlos berauschen können. Sei es in der Sexualität, im Umgang mit Geld und Gut oder in anderen Lebensbereichen. Immer wieder wird davor gewarnt, dass wir unser Leben nicht in grenzenloser Gier leben sollen. Denn das Leben in Gottes Schöpfung ist ein Leben, das um seine Grenzen weiß. Und wo wir unsere eigenen Grenzen, die Grenzen des Anderen und die Grenzen dieser Welt nicht achten, da geht das Leben kaputt.

Ganz besonders spannend finde ich in diesem Zusammenhang, wie auf die Habsucht geblickt wird. Der Wunsch danach, immer mehr und mehr und mehr zu haben, ist ja heute mindestens so aktuell wie damals. Paulus sagt: Das ist Götzendienst. Weil Du dein Herz dabei an etwas anderes hängst und auf etwas anderes vertraust als auf deinen Gott. Sehr bedenkenswert.

Ihr Lieben,

jetzt haben wir viel davon gehört, wie so ein christliches Leben aussehen soll. Und wie nicht. Zeit für einen Realitätscheck. Wie sieht es denn aus in unserem Miteinander als Gemeinde und als Kirche? Wie erleben wir uns und andere Christen? Ist es da so lichtdurchflutet? Ich vermute, dass jeder von uns Glaubensgeschwister kennt, denen man ihren Glauben deutlich abspürt. Gott sei Dank, wenn wir solche

Menschen kennen. Aber zugleich erleben wir in der Kirche auch manches, was wenig von Gottes Güte ausstrahlt, von Gerechtigkeit und Wahrheit. Traurig, wo Kirche als lieblos erlebt wird. Ja, wir haben die Erinnerung des Paulus immer wieder nötig: Wandelt in der Liebe.

Wie aber kann es gelingen, das Leben in der Nachfolge, das Leben in der Liebe? Naheliegend wäre es doch zu sagen: Nun ja, es müssten sich halt alle – vor allem die anderen natürlich – mal ein bisschen zusammenreißen. Wenn jeder noch mehr auf sich und sein Tun schauen würde, dann müsste das doch hinhauen mit einer Kirche, die Ausstrahlung hat. Ja?

Der Epheserbrief weist uns einen anderen Weg.

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe

Gott nachahmen, das ist es zuallererst, was wir als geliebte Kinder Gottes tun sollen.

Als wir vor Kurzem den online-Kindergottesdienst aufnahmen, da erlebte ich etwas Spannendes. Gemeinsam mit meinem Sohn hatte ich ein Lied eingesungen und wollte dann noch ein paar Worte zu den Kindern unserer Gemeinde sagen. Ich schaute dazu natürlich in die Kamera. Mein Sohn blickte auf mich und machte jede Mundbewegung und Mimik nach. Natürlich entdeckte ich das erst beim Schnitt am Computer und musste sehr schmunzeln. Es sah richtig albern aus und eine neue Aufnahme musste her.

Aber ich erkannte daran, wie Kinder lernen. Sie lernen ganz viel dadurch, dass sie nachahmen und sich Verhalten und Worte abschauen. Lernen am Modell heißt das in der Pädagogik. Und das haben wir wohl auch schon erlebt. Dass ich voll Freude feststellen darf, dass Dinge, die mir wichtig sind, auch meinen Kindern wichtig werden. Oder auch andersherum: Dass ich manch schlechte Angewohnheit plötzlich auch im Umgang meiner Kinder erlebe. Kinder lernen ganz wesentlich durch Vorbilder und durch Nachahmung. Was es dazu braucht: Vor allem ein vertrauensvolles und aufmerksames Miteinander.

Und so soll es für uns als geliebte Kinder Gottes auch sein. Was unser Leben in der Nachfolge ausmacht, sollen und können wir uns bei Gott abschauen. Und was wir bei ihm entdecken, das ist zuallererst Liebe, sagt der Epheserbrief. Was für eine frohe Botschaft! Bei Gott finden wir Liebe. Die ganze Tiefe dieser Liebe erblicken wir im Geheimnis der Passion. Für dich und mich geht Gott den Weg ans Kreuz und stirbt unseren Tod. Das sollen wir sehen und diesem Gott nachfolgen, in seiner Liebe.

Liebe Gemeinde,

Okuli heißt dieser Sonntag. Übersetzt: Meine Augen sehen stets auf den Herrn. Die Worte des Wochenpsalms fassen gut zusammen, was uns der Epheserbrief über die Nachfolge Jesu sagt. Christliches Leben ist zuallererst eines: Auf Gott schauen. Und das bedeutet auf Jesus Christus schauen, in dem Gott anschaubar geworden ist. Und dort sehen wir eine Liebe, die sich für uns hingibt bis zum Ende.

Wenn wir diese Liebe sehen und sie uns zu Herzen nehmen, dann wird unser Leben einen Unterschied machen. Dann wird es nicht bei Worten allein bleiben. Dann werden wir - mit aller Brüchigkeit und allem Scheitern - anfangen, Gottes Vorbild auch in unserem Alltag nachzuahmen. Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit, in Gottes Liebe können wir sie finden und daraus leben.

Amen.

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