Passionsandacht am 1. April 2020 

- Ev.-Luth. St. Paulsgemeinde Allendorf/Ulm (SELK) - 

Der Gottesdienst ist auf der Seite "Andachten" auch als Video zu sehen, der Text wird am Ende der Seite als PDF zum Download angeboten, auch eine reine Hörversion kann heruntergeladen werden.

Begrüßung 

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, liebe Gemeinde, ich begrüße euch zur zweiten Passionsandacht, die wir aufgezeichnet haben, mit dem Wochenspruch aus dem Matthäusevangelium im 20. Kapitel: 

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ 

Wir laden euch ein aus dem Alltag, der für viele zurzeit trist und wenig hoffnungsvoll ist, virtuell einzutreten in Gottes Haus und euch trösten zu lassen durch sein Wort, durch Musik und Gebet. 

Gott, der HERR, segne uns diese Andacht. 

Introitus 

Lasst uns den Introituspsalm dieser Woche beten (ELKG 028) 

Richte mich, Gott, führe meine Sache und errette mich! 

Denn du bist der Gott meiner Stärke. 

Warum muss ich so traurig gehen, 

wenn mein Feind mich dränget? 

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten 

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 

dass ich hineingehe zum Altar Gottes, 

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, 

Was betrübst du dich, meine Seele, 

und bist so unruhig in mir? 

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, 

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. 

Gebet: 

Himmlischer Vater, wir danken dir für diesen Tag. Du bist uns nahe und weißt alles was uns bewegt: alles, was uns fröhlich macht uns alles, was uns betrübt. Bei dir sind wir in guten Händen. Danke, dass du uns jetzt nahe kommst in deinem Wort. Segne es an unseren Herzen. Amen. 

Lesung: Markus 15, 1-20a 

1 Und alsbald am Morgen hielten die Hohenpriester Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat, und sie banden Jesus, führten ihn ab und überantworteten ihn Pilatus. 

2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es. 

3 Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart. 

4 Pilatus aber fragte ihn abermals: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen! 

5 Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte. 

6 Er pflegte ihnen aber zum Fest einen Gefangenen loszugeben, welchen sie erbaten. 

7 Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührern, die beim Aufruhr einen Mord begangen hatten. 

8 Und das Volk ging hinauf und bat, dass er tue, wie er zu tun pflegte. 

9 Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? 

10 Denn er erkannte, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. 

11 Aber die Hohenpriester reizten das Volk auf, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgebe. 

12 Pilatus aber fing wiederum an und sprach zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich tue mit dem, den ihr den König der Juden nennt? 

13 Sie schrien abermals: Kreuzige ihn! 

14 Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn! 

15 Pilatus aber wollte dem Volk zu Willen sein und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde. 

16 Die Soldaten aber führten ihn hinein in den Palast, das ist ins Prätorium, und riefen die ganze Abteilung zusammen 

17 und zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf 

18 und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König! 

19 Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm. 

20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an. 

Predigt 

Schwestern und Brüder, 

I der alttestamentliche Losungsvers für Mittwoch, den 1. April 2020 steht im Jesajabuch im 65. Kapitel. Er spricht mitten hinein in die Situation dieser Tage und Wochen: 

„Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“ 

II Das spricht Jesaja im Namen Gottes zum Volk Gottes. 

„April, April“ haben da wohl viele seiner Landsleute gedacht. Im Moment sieht es hier bei uns aber ganz anders aus. Das Volk Gottes war nach vielen Jahren im Exil zurückgekehrt in ihr Land und standen nun vor der gewaltigen Aufgabe es wiederaufzubauen. Eine Stadtmauer um Jerusalem musste her; der Tempel sollte wiedererrichtet werden; Felder mussten nutzbar gemacht werden und so weiter. 

Jesaja spricht so, als sein das ein Klacks. Die Stimme des Weinens und Klagens soll bei uns nicht mehr gehört werden? Da sind wir noch lange nicht! Und ob es uns jemals wieder so gut gehen wird? 

III Vor 3 Wochen, so behaupte ich, konnten wir uns noch nicht wirklich in diese Lage der Unsicherheit hineinversetzen. Heute ist das anders. 

Viele Menschen wissen heute nicht, wie es mit ihnen weitergehen soll. Wann können wir wieder zur Normalität zurückkehren? Und wieviel wird dann zerstört sein? Keine Gebäude vielleicht, aber Existenzen schon. 

Die nächsten Wochen und Monate sind für viele ungewiss geworden und liegen wie ein großer, grauer Berg vor ihnen. 

Ja, heute verstehen wir das Volk Israel, zu dem Jesaja spricht, besser mit seinen Sorgen und Zukunftsängsten. 

IV „Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.“ Jesaja blickt hier nach vorne - aber viel weiter als wir jetzt vielleicht blicken. Für ihn ist nicht alles wieder gut, wenn Jerusalem wiederaufgebaut ist, wenn die Leute genug Arbeit und Essen haben. Es ist nicht alles wieder endgültig gut, wenn die Normalität sich einstellt – auch nicht für uns. 

Unsere Hoffnung als Kinder Gottes geht weit über das Ende der Corona-Pandemie und des Klopapier-Engpasses hinaus. 

Es soll nämlich besser werden als zuvor – besser als unsere Normalität, die wir jetzt vermissen. Diesen Weitblick eröffnet uns Gott im Glauben. 

Zwei Verse zuvor heißt es bei Jesaja: „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.“ 

V Gott ist schon dabei diese neue Schöpfung wahr werden zu lassen. Eine Welt, in der es keine Krankheit, keine Tränen und kein Geschrei mehr geben wird. 

Das ist alles zwar noch da und in diesen Tagen besonders mächtig. Aber es wird unser Leben nicht für immer bestimmen. Während wir uns noch nach Normalität sehnen, ist Gott schon am größeren Werk und bereitet uns eine viel bessere Zukunft vor. Dahin ist Jesus uns schon vorausgegangen. Krankheit und Tod hat er schon durch sein Leiden und Sterben überwunden. In seiner herrlichen Auferstehung können wir erkennen, was Gott auch mit uns im Sinn hat. 

VI Liebe Gemeinde, dieser Blick in Gottes Zukunft geht über die Normalität, die wir vermissen, hinaus. Mögen wir am Ende der Pandemie nicht nur Erleichterung darüber empfinden, dass es nun vorüber ist. Möge Gott uns auch durch diese Zeit und durch dieses Leid den Glauben stärken. Er freut sich über sein Volk, wenn er endlich alle um sich hat. Das ist sein Ziel. Dorthin sind wir unterwegs. Amen. 

Gebet – Vaterunser – Segen 

Vater unser im Himmel 

Geheiligt werde dein Name. 

Dein Reich komme. 

Dein Wille geschehe, 

wie im Himmel, so auf Erden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute. 

Und vergib uns unsere Schuld, 

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 

Und führe uns nicht in Versuchung, 

sondern erlöse uns von dem Bösen. 

Denn dein ist das Reich 

und die Kraft und die Herrlichkeit 

in Ewigkeit. Amen. 

Pfarrer Geht in diesen Abend unter dem Segen Gottes: 

Es segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist Amen. 

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