Reminiszere

Auf der Seite "Andachten" finden Sie einen einen Gottesdienst von Pfarrer Schröder zum Hören, die Predigt folgt hier als Text und am Ende wieder als PDF verlinkt.

Predigt zum Sonntag Reminiszere

Hört noch einmal einige Verse aus der heutigen alttestamentlichen Lesung bei Jesaja im 5. Kapitel:

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. (…) Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Recht-spruch, siehe da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe da war Geschrei über Schlechtigkeit. (Jesaja 5,1b-2.7)

Liebe Gemeinde,

raus in den Garten! Das haben sich viele Menschen in den letzten Tagen gedacht. Das frühlingshafte Wetter lud ja geradezu ein, die ersten Handgriffe im Grünen zu machen. Ja, für viele Dinge im Garten ist es noch zu früh. Es ist eigentlich ja auch noch Winter. Und dennoch tut es gut, wenn die winter-lichen Gedanken schon in grünere Zeiten gehen können. Wenn es dann sprießen wird, wachsen wird und Ernte geben wird.

Eine echte Gartenszene haben wir aus dem Alten Testament und auch aus dem Evangelium gehört. Es sind zwar zwei unterschiedliche Erzählungen. Aber im Grundton sind sie ganz ähnlich. Da ist ein Mensch, der einen Weinberg anlegt. Auch er geht raus in den Garten. Und dann wird gerackert. Der Weingärtner gräbt um und entsteint ganz sorgfältig. Er baut einen Turm und eine Kelter. Alles soll gut vorbereitet sein für die spätere Ernte. Bis hierhin ein schönes Bild von einem Gärtner, der sich alle Mühe gibt.

Doch diese Geschichte findet kein Happy-End. Anstatt der reichen und guten Ernte verkommt alles. Der Gärtner tut, was er kann, doch sein Weinberg will einfach keine gute Frucht hervorbringen.

Die Geschichte vom Weinberg wird erzählt, um deutlich zu machen, wie es um Gott und sein Volk steht. Denn der Weingärtner ist Gott und sein Volk der Weinberg, um den er sich mit Herzblut sorgt und kümmert. Doch am Ende steht das Fazit: „Gott wartete auf Rechtsspruch, siehe da war Rechts-bruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.“ Und so überlässt der Wein-gärtner den Weinberg seinem Schicksal und zieht sich zurück. Am Ende gibt es für den Weinberg Trockenheit, Disteln und Dornen. Ein ganz schön hartes Wort, eben ohne Happy-End. Dieses Bild weist uns darauf hin, dass Gott die Ungerechtigkeit nicht dauerhaft hinnimmt. Gott sucht Gerech-tigkeit und geht daher ins Gericht mit seinem Volk. Ein hartes Wort.

Doch wie sähe es bei uns aus? Stellen wir uns das vor: Alle Mühe im Garten wäre umsonst und keine Frucht gekommen. Obwohl wir uns doch wieder und wieder gemüht haben. Wer würde nicht ir-gendwann die „vergebliche Liebesmühe“ aufgeben.

Im übertragenen Sinne haben wir es ja vielleicht auch schon einmal ähnlich erlebt. Da habe ich soviel Energie in eine Sache gesteckt, doch es ging einfach nicht voran. Da habe ich soviel Aufmerksamkeit und Liebe einer anderen Person gegeben, doch was kam zurück? Da ist es nur all zu verständlich, wenn es irgendwann einen Schlussstrich gibt.

Und noch einmal andersherum gedreht: Bin vielleicht auch ich selbst manchmal wie so ein Wein-berg, dem viel gegeben wurde, doch die Frucht lässt noch immer auf sich warten?

Gott erscheint uns hier als Richter, der nicht darüber hinwegschauen will, wenn seine Menschen gegen seinen gerechten Willen leben. Der seine Augen nicht zu machen will, wo seine Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird. Wo Menschen einander ausnutzen, wo Menschen auf Kosten anderer le-ben, wo Menschen das Leben kaputtmachen. All das geht nicht einfach so an Gottes Augen vorbei. Es hat Folgen.

Doch im Bild vom Weinberg entdecken wir auch eine andere Seite Gottes. Gott ist dort doch zual-lererst wie der Weingärtner, der sich alle erdenkliche Mühe gibt für seinen Weinberg. Jesaja be-schreibt es so ganz anschaulich. Da wird das beste Stück Land gesucht, der Boden aufgelockert, die Steine rausgesucht und weggeschleppt. Da wird Turm und Kelter gebaut, ein Zaun gezogen. Und dann pflegt und hegt der Weingärtner seinen geliebten Weinberg. Und als die Frucht dann ausbleibt, fragt der Weingärtner: „Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm?“

Gott ist zuallererst wie dieser Weingärtner, der sich voll und ganz ins Zeug legt für seine Menschen. Er hat uns mit seiner Schöpfung so wunderbare Lebensgrundlagen gegeben. Er hat uns gute Gebote gegeben, um das Leben zu schützen. Er hat immer wieder nach seiner Schöpfung geschaut, um zu sorgen und sie zu leiten. Von solch einem leidenschaftlichen Gott erzählt uns die Bibel.

Gott können wir im Bild des Weinbergs sehen als einen Gott, der Schweiß auf der Stirn hat, weil er sich kümmert und sorgt. Ein Gott, der ein Herz für sein Volk hat. Ein im wahrsten Sinne des Wortes barmherziger Gott. Aufs Äußerste sehen wir diesen barmherzigen Gott in der Passionszeit. Der Weg Jesu ans Kreuz war ja der letzte und schwerste Weg Gottes für unsere Welt. Selbst seinen eigenen Sohn hat der barmherzige Gott nicht verschont, um in und unter uns seine Gerechtigkeit zu schaffen.

Auf diesen leidenschaftlichen Gott schauen wir in diesen Passionstagen. Und der Wochenpsalm für den heutigen Sonntag Reminiszere lädt ein, ihn an seine Barmherzigkeit zu erinnern und darauf zu vertrauen: „Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her ge-wesen ist.“ (Ps 25,6)

Wenn wir in den kommenden Wochen das neue Grün sehen und uns vielleicht sogar selbst ans Gärtnern machen, dann kann uns das ein gutes Bild sein für unseren Gott. Gott legt sich so richtig ins Zeug für uns und macht sich die Hände dreckig. Denn er will, dass unser Leben grünt und Frucht bringt. In Ewigkeit durch unseren Herrn Jesus Christus,

Amen.

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